Sind Katzen Einzelgänger?

Mit dem Thema, ob eine Katze ein Einzelgänger oder doch ein „Gruppentier“ ist, soll sich mein nächster Beitrag beschäftigen.

Bei Kaninchen oder Meerschweinchen wissen die meisten Menschen, dass man sie nicht alleine hält und sie den Kontakt zu Artgenossen brauchen. Doch was ist mit Katzen?

 

Katzen gelten im Volksmund als Einzelgänger. Der häufigste Grund für diese Einschätzung ist, dass Katzen mit dem Charakterzug der Eigenwilligkeit glänzen und dies oftmals mit Einzelgängertum verwechselt wird. Ein anderer Grund ist, dass man viele Katzen auf ihren Streifzügen durch die Natur einzeln sieht.

 Cat staring at a mouse coming out of it's hole

Gleich vorweg ist zu sagen, dass dies nur bis zu einem gewissen Grad richtig ist. Besser wäre zu sagen, dass unsere Hauskatzen „Einzeljäger“ sind.

Wenn eine Katze ein Beutetier jagt, dann tut es dies in aller Regel alleine und braucht keine Gruppe um zB. eine Maus zu erlegen. Würden Katzen im Team jagen, käme es zu Konflikten, denn sie müssten sich eine kleine Maus in der Gruppe aufteilen und keine der Katzen würde dann richtig gesättigt sein. Also was die Jagd anbelangt, nutzen Katzen keine kollektive Jagdmethode.

StreunerkatzisDer Fakt, dass eine Katze einzeln jagt, schließt aber den Umstand nicht aus, dass sie nicht trotzdem eine soziale Kompetenz besitzt.

In Italien, Spanien, Griechenland oder auch auf einigen Bauernhöfen hier bei uns kann man gut beobachten, dass es Katzenverbände gibt. Was uns daraus schließen lässt, dass Katzen keineswegs Einzelgänger sind. Sichtbar wird an diesen Orten, dass außerordentlich viele Interaktionen zwischen den Tieren stattfinden. Als wesentliche Beispiele sind hier der freundliche Nasenkontakt, die gegenseitige Fellpflege, das Fressen ohne Individualdistanz, das gemeinsame Schlafen oder auch das Kontaktliegen unter Katzen zu nennen.
Daher kann gesagt werden, dass es für Katzen ganz natürlich ist, in sozialen Verbänden zu leben. Die Interaktionen zwischen Katzen sind für ihre Entwicklung sehr wichtig und ein Mensch kann dies niemals ersetzen.

 

Überdies haben Forschungen von Verhaltensbiologen (Ethologen) ergeben, dass sich Katzen zusammenschließen und eine Gruppe bilden, wenn ausreichend Futterressourcen vorhanden sind. Die Mitglieder der sozialen Gruppen kennen sich untereinander und beschäftigen sich gegenseitig mit einer Vielzahl von sozialen Verhaltensweisen. Die Gruppengröße in der Natur hängt folglich also vom Nahrungsangebot ab.

 

Leider hat sich der Mythos „Katzen seien Einzelgänger“ die letzten Jahrzehnte durchgesetzt und ich möchte Sie wirklich darauf hinweisen, dass das nicht stimmt!!
Obendrein ist auch im österreichischen Tierschutzgesetz angeführt, dass die Möglichkeiten zum Sozialkontakt des Tieres angemessen gegeben sein müssen. In der Schweiz ist sogar in manchen Kantonen Einzelhaltung bei Neuzugängen gesetzlich verboten.


Weiters verweise ich auf folgenden wissenschaftlichen Beitrag: 

                                                 →  social organization of the cat – Journal of Feline Medicine and Surgery 2004

Es ist für eine Katze überaus wichtig Kontakt zu Artgenossen zu haben.

 

Immer wieder höre ich von Katzenhaltern, dass sie sich ein 8-wöchiges Kätzchen nach Hause in reine Wohnungshaltung geholt haben. Von dem Umstand mal ganz abgesehen, dass ein 8 Wochen altes Kitten viel zu jung ist um von der Katzenmutter und den Wurfgeschwistern getrennt zu werden!! – ist gerade für junge Katzen „Einzelhaft“ eine absolute Bestrafung.

Junge Katzen lernen von Artgenossen wie man als Katze spielt, wie man fängt, wie man sich als Katze verhält und wie man als Katze quasi „Kätzisch spricht“.

Hat die junge Katze diese Möglichkeiten nicht gehabt, ist es oftmals so, dass sie später ein Verhaltensproblem entwickelt bzw. auffällig wird.

 

Ein sehr guter Link und weiterführende Details finden Sie auch hier → Warum keine Einzelhaltung?

 

Falls Sie nun an Ihre eigene Katze denken und Sie aber der Meinung sind, dass sich Ihre Katze nie mit einer anderen verstanden hat oder jemals verstehen wird, dann möchte ich Ihnen ans Herz legen, die Situation noch einmal gut zu überdenken.

 

Selbstverständlich kann ich nicht abstreiten, dass es reine Einzelkatzen gibt, die aus welchen Gründen auch immer, sich nicht mit anderen Mitkatzen verstehen – aber meine Erfahrung, unterstützt durch meine Ausbildung hat gezeigt, dass es auch bei älteren Katzen in langjähriger Einzelhaltung mit den richtig angewendeten Methoden einer Zusammenführung möglich ist, die Katze zu „resozialisieren“.

 

Gerne können Sie mich kontaktieren und ich schätze die Situation bei Ihnen zu Hause ein.