Frage und Antwort: Mag uns die Katze etwa nicht?

Leserfrage zum Thema Tierpsychologie:

 

veröffentlicht im Katzenmagazin OUR CATS (Ausgabe 10/15)

 

Im vergangen Jahr hat sich unsere Familie einen lang gehegten Wunsch erfüllt und ein Katzenmädchen aus dem Tierheim geholt.  Weil sie noch zu klein war, blieb sie bis zum Alter von neun Wochen mit ihrer Mama und ihren Geschwistern auf einer Pflegestelle. Leider ist unsere Kleine bis heute (15 Monate; kastriert) sehr distanziert und kein Schmusetiger. Schmuseeinheiten von ihr zu bekommen, ist wie aus einem Dosierspender: 1x täglich und gerade mal so viel wie nötig. Andererseits war sie von Anfang an eine sehr selbstbewusste junge Dame. Ihr Motto damals wie heute lautet: „wenn meine Menschen was von mir wollen, dann kommen die zu mir.” Aber nicht zu nahe. Bis jetzt haben wir das halt so hingenommen, in der Hoffnung, dass sich das von alleine gibt, wenn sie älter wird. Aber wir sind doch alle traurig und auch enttäuscht. Es gibt Tage, da denke ich, unsere Katze mag uns nicht wirklich.

 

Meine Frage ist nun, ob wir das Verhalten so akzeptieren müssen oder ob es etwas gibt, wobei wir unsere Mieze unterstützen können, dass sie sich doch noch zu uns hinwendet?

 

Die Antwort gibt Nathalie Aigner:

 

So unterschiedlich Katzen vom Optischen her sein können, so individuell sind auch ihre Persönlichkeiten. Ob eine Katze ein starkes Bedürfnis nach menschlicher Nähe zeigt, hängt einerseits davon ab, wieviel Menschenkontakt sie während ihrer prägenden Kittenzeit in den ersten 12-14 Wochen erfahren durfte und andererseits von den persönlichen Charaktereigenschaften.

 

Ihrem Schreiben nach haben Sie als Mensch bis jetzt immer bewusst Nähe von der Katze eingefordert. Die wichtigste Regel bei distanzierten Vierbeinern ist jedoch, dass man als Halter den initiierten Kontakt zur Katze auf ein absolutes Minimum beschränken sollte. Je mehr Nähe Sie nämlich von Ihr einfordern, desto mehr Distanz schaffen Sie, weil die Katze den Druck „Ich will dich aber jetzt streicheln“ spüren wird.

 

Mag_uns_Katze_nichtUm es auf den Punkt zu bringen: Nähe schafft meistens Distanz. Umgekehrt gilt aber auch Distanz kann Nähe schaffen! Folglich heißt das, dass Sie darauf warten sollen bis die Katze Schritte auf Sie zumacht – aber dann auch nicht gleich mit der Hand Berührungen stattfinden sollten. Erwecken Sie die Neugier in Ihr! Ein Hochheben, wenn die Katze das nicht will, sollte auch unterlassen werden, denn dadurch verstärken Sie eher ihre Abneigung als Gegenteiliges. Selbstverständlich kann ich den Wunsch die Mieze zu liebkosen und mit ihr zu kuscheln nachvollziehen, allerdings sollten Sie hierbei sehr geduldig vorgehen.

 

Empfehlenswert ist auch, bewusst mit der Katze zu spielen! Zuhause soll es immer spannend sein! Gemeinsame Interaktionen fördern die Bindung zwischen Mensch und Tier. Auch dabei sollte es keine Streicheleinheiten geben, sondern es sollte wirklich nur die Aktivität im Vordergrund stehen. Es geht darum, dass Sie die Katze dadurch interessiert an Menschen machen! Wenn Sie ihr zum Beispiel Leckereien geben, dann streicheln Sie sie auch nicht, sondern warten Sie bis sich die Mieze „fast schon bettelnd“ um Ihre Hände schmiegt. Ganz bestimmt wird sie mit der Zeit (wieder) mehr Interesse an Ihnen bekommen!

 

Zum Schluss möchte ich trotzdem noch erwähnen, dass einige Katzencharaktere sich einfach distanzierter verhalten als andere. Bei den einen steckt Ängstlichkeit dahinter, bei anderen Erfahrung und bei manchen ist es einfach die Persönlichkeit. Darum: Nehmen Sie diese Distanz von ihr nicht persönlich! In den meisten Fällen von kontaktscheuen Tieren kann mit der Zeit ein gutes Vertrauensverhältnis aufgebaut werden, wenn man mit Geduld und Bindungsaufbau und ohne Druck daran arbeitet.