Frage und Antwort: Katzenkrieg in der Wohnhausanlage

Leserfrage zum Thema Tierpsychologie:

 

veröffentlicht im Katzenmagazin OUR CATS (Ausgabe 11/15)

 

Es geht um unsere Katze Minou. Sie ist vier Jahre alt, braun getigert, zierlich und der Familienliebling. Das erste Jahr verbrachte sie bei uns im Haus bis wir sie mit 11 Monaten kastrieren ließen und ihr dann Freigang gewährten. Sie genießt ihren Garten, auch über die Grenzen hinaus, bringt öfters Mäuschen und ist trotzdem eine ausgesprochene Kuschelkatze die abends immer zum Schmusen kommt. Minou ist immer sehr ausgeglichen, ruhig und zufrieden gewesen.Es gibt einige andere Katzen bei uns in der Sraße und Umgebung, die aber nie ein Problem darstellten.

Seit ein paar Wochen gibt es direkt hier im Haus in einer Wohnung eine Katze die jetzt auch Freigang bekommt. Die beiden haben sich von Anfang an nicht verstanden. Sie heißt Nala und ist ungefähr so alt wie Minou. Jetzt haben wir hier Katzenkrieg. Nachdem wir beobachtet haben, dass die beiden Katzen sehr heftig aufeinander losgingen und Minou jedesmal wenn sie die Chance dazu hatte vor Nala die Flucht ergriff, haben die Besitzerin von Nala und wir uns abgesprochen mit dem Herauslassen der Katzen, was meist ganz gut klappte. So begegneten sich die Katzen erstmal nicht mehr.

 

Allerdings ist Nala eine „laute Katze“ die wirklich sehr, sehr laut miaut und alle auf sich aufmerksam macht. So wurde Minou jedesmal wach wenn sie auf der Couch lag und schlief – wie gerufen – lief zum Fenster und das Gefauche und Gespucke ging durchs Fenster mit aufgeplusterten Schwänzen weiter. Das artete so aus, dass Nala regelrecht Terror betrieb und unsere Fenster und Balkontüren ablief und ich dazu überging die Rollos runterzulassen nur damit sich die Katzen nicht sahen und nicht gegen die Scheiben sprangen. Das kann so nicht weitergehen.

 

Das Absprechen nach „Zeitplan“ gestaltet sich schwierig, weil Minou gewöhnt war raus und rein zu gehen wie sie wollte. Sie ist seitdem nicht mehr die alte.Katzenkrieg in der Wohnhausanlage_11.15

 

Sie kommt nicht mehr so viel zum schmusen, zieht sich immer in mein Bett zurück, schläft dort dauernd, faucht und beisst öfter wenn man sie streicheln will, was wir von ihr gar nicht gewöhnt sind. Wir leiden alle sehr mit ihr mit und möchten unsere alte Minou wieder und eine Lösung für das Problem finden.

 

Die Antwort gibt Nathalie Aigner:

 

Zuerst möchte ich Ihnen einmal ein ausgesprochen großes Lob aussprechen. Es ist mir in meiner Laufbahn noch nie passiert, dass sich Nachbarn einen derartigen Zeitplan für den Freigang der Katzen ausgemacht haben. Meist kommt es eher zu dem Fall, dass die Nachbarn deshalb miteinander auch in Streit geraten.

 

Die beschriebene Situation stellt sich zeitaufwendig dar, aber erfahrungsgemäß nicht unlösbar. Folgende Strategie würde ich Ihnen als ersten Versuch zur Vergesellschaftung empfehlen. Als ersten deshalb, weil es die Methode ist, die ich hier am einfachsten beschreiben kann. Diese Methode ist aufbauend über einige Wochen zu sehen, weshalb ich Ihnen gleichvorweg raten möchte, sich einen Katzenpsychologen oder Tiertrainer in Ihrer Nähe zu suchen. Dieser wird die weiteren Schritte mit Ihnen gemeinsam durchbesprechen oder auch noch weitere Varianten vorschlagen.

 

Nun: Eine Katze und dazu würde ich Nala wählen, sollte mit einem Vertrauten vor den Fenstern – aber mit einem großen Abstand zu den Fenstern – bespielt werden. Es muss versucht werden, die totale Aufmerksamkeit von Nala mit dem Spiel zu erreichen. Ein anderer ist bei Minou in der Wohnung. Ihr gibt man ein frisches „stinkendes“ Baldriankissen – auch weiter entfernt vom Fenster, aber in Sichtweite zu Nala. Noch bevor die Katzen das Interesse am Spiel und am Baldriankissen verlieren und sich quasi für eine Konfrontation richten würden, sollte alles beendet werden. Das heißt hier kommt es auf den exakten Zeitpunkt an! Zu Beginn reicht maximal eine Minute der „Bespaßung“. Anschließend wird Nala in die Wohnung zurückgetragen und Minou wird das Baldriankissen auch weggenommen. Diesen Vorgang würde ich so oft es geht täglich wiederholen und aufbauend arbeiten. Folglich wird der Abstand zum Fenster wochenweise immer mehr verringert.