Frage und Antwort: Pauli akzeptiert den zugelaufenen Kater nicht

Leserfrage zum Thema Tierpsychologie:

 

Veröffentlicht im Katzenmagazin OUR CATS (Ausgabe 02/16)

 

Wir haben einen 5-jährigen Kater (Pauli), der auch nach draußen darf. Vor einem Monat ist uns ein kleiner Kater zugelaufen. Wir haben in der Nachbarschaft durchgefragt, aber er gehört niemandem. Der Tierarzt hat gemeint, dass er ungefähr 8 Monate alt sein wird.

Cover_1_2.16Er ist ein ganz lustiges Katerchen und sehr verschmust, weshalb wir ihn schon sehr ins Herz geschlossen haben und ihn gerne behalten würden. Allerdings ist Pauli, seit dem der Kleine hier ist, ganz anders. Früher war er auch verschmust, jetzt möchte er gar nicht mehr und lässt sich auch nicht mehr so häufig blicken. Gibt es eine Möglichkeit, dass Pauli den Kater akzeptiert und sich wieder wohlfühlt? Würden uns nur ungerne von dem Kleinen trennen müssen.

 

Die Antwort gibt Nathalie Aigner:

 

Sie schreiben sehr lieb über Ihren Neuzugang und selbstverständlich möchte ich Ihnen gerne helfen.

 

Zugegebenermaßen kann eine Vergesellschaftung aber sehr schwierig werden, denn oft akzeptiert eine Katze, die längere Zeit das „Einzelkind“ in der Familie war, eine andere Mieze nur sehr schwer.

 

Gerade ein größerer Altersunterschied, stellt ein Risiko dar. Dazu kommt auch noch, dass es stark von der Persönlichkeit der Katze abhängt, ob sie sozial ist oder doch lieber einzelgängerisch leben möchte. Spannungen können ebenso aufgrund des Kampfes um Ressourcen entstehen. Jede Mieze braucht ihren eigenen Napf, eine eigene Katzentoilette und auch genügend Platz um sich aus dem Weg gehen zu können.

 

Damit Sie Pauli wieder öfter zu Gesicht bekommen, wäre es ratsam, die beiden – so oft wie möglich – gemeinsam zu füttern. Eine gemeinsame Fütterung stärkt nämlich den Gruppenzusammenhalt. Die beiden sollten allerdings anfangs noch in einem größeren Abstand – auf die Näpfe bezogen – zueinander stehen. Ich denke ein Abstand von 2 Metern wäre zu Beginn optimal.

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Zudem würde ich empfehlen, dass sie ebenso häufig eine gemeinsame Aktivität starten. Dies bedeutet, dass Sie beiden gemeinsam (auch mit Abstand) ein Baldriankissen geben oder mit ihnen mit einer Federangel spielen. Pauli sollte dabei lernen, dass gar nicht passiert, wenn der Neuling auch im Raum ist.

 

Zusätzlich könnte eine Pheromontherapie mit Feliway durchaus sinnvoll sein, um in den Wohnräumen für beide Katzen eine stressreduzierte Atmosphäre zu schaffen.

 

Dies wären einmal die ersten Schritte um eine Vergesellschaftung positiv zu starten. Wenn dies auf Dauer keine schnellen Verbesserungen bringt, würde ich Ihnen empfehlen einen Tierpsychologen aufzusuchen, der sich mit Ihnen zusammensetzt und einen individuellen – auf Ihre Katzen angelegten – Vergesellschaftungsplan zusammenstellt.