Beziehungsstress – wenn Paare Probleme wegen der Katze haben

Veröffentlicht im Katzenmagazin OUR CATS (Ausgabe 05/15)

Haustiere zählen für viele Paare als Bereicherung im Familienleben. Doch häufiger, als man denkt, können die Vierbeiner Beziehungen auch belasten.

Als Verhaltensberaterin für Menschen und ihre Katzen begegnen mir immer wieder Paare, deren Beziehungen sehr unter dem Problemverhalten ihrer Katze(n) leiden. Bei so manchem Termin mit meinen Kunden, ist es auch schon passiert, dass sich die Gemüter zwischen den Pärchen sehr erhitzt haben und ich wortwörtlich Zeugin eines Beziehungsstreits geworden bin. Immerhin bringe ich bei einem Hausbesuch Themen auf den Tisch, die für die Katzenhalter auch einmal unangenehm sein können oder sie persönlich betreffen. In den meisten Fällen haben die Partner bereits im Vorfeld der Verhaltensberatung bereits über die „störenden“ Verhaltensweisen der Katze(n) gesprochen und diskutiert. Im Zuge dessen sind in vielen Fällen bereits die unterschiedlichen Meinungen aneinander geprallt und möglicherweise auch schon festgefahren. Es gibt aber auch Meinungen eines Partners, die erst bei einem Haustermin im Laufe eines klärenden Gesprächs, dem anderen Partner bewusst werden.

Cover_1_OurCats_10.14Streitpunkt: Anschaffung einer Katze

Bereits vor der Anschaffung einer Katze entstehen oft Streitigkeiten zwischen den Partnern. Themen wie – welche Katze, Katze oder Kater, jung oder alt, Zuchtkätzchen oder Tierheimkatze – können Diskussionen auslösen. Ebenso der Wunsch, ob überhaupt eine Katze in die Familie einziehen darf, kann für ordentlichen Zündstoff in vielen Beziehungen sorgen. Denn nicht immer sind sich die Partner darüber einig ein Haustier zu wollen. Oft steht die Entscheidung, dass eine Katze einziehen wird, für den einen schon fest, der andere möchte aber lieber keinen Vierbeiner und sieht sich mit vielen Verpflichtungen, die er – aus welchen Gründen auch immer – nicht eingehen möchte, konfrontiert.

Wenn nun ein Partner den anderen von einer Katze überzeugt hat, der andere aber eben nur dem Partner zu Liebe und vielleicht auch mit etwas Widerwillen zugestimmt hat, kann man davon ausgehen, dass nicht beide bei einem auftretenden Problem mit dem Stubentiger an einen Strang ziehen werden.

Denn was passiert, wenn es in so einem Fall zu Verhaltensauffälligkeiten der Katze kommt: Wenn sich ein Mensch nicht bewusst und von sich aus für ein Tier entschieden hat und dazu gehören auch die Auseinandersetzung und die Bereitschaft sich um Lösungsmöglichkeiten zu bemühen, wenn Probleme auftreten, dann wird man eher dazu geneigt sein, gleich einmal das Handtuch bei auftretenden Problemen zu werfen – zum Leidwesen vieler Vierbeiner.

Mit anderen Worten, wenn der Wunsch von einem Haustier nur von einem Partner getragen wird, passiert es häufig, dass sich danach weitere Themen für Diskussionsbedarf ergeben.

Streitpunkt: Wohnungseinrichtung, Versorgung und Katzenhaltung

Ein häufiges Thema, welches Diskussionen verursachen kann oder Emotionen hochschaukeln kann, ist die Tatsache, dass eine Katze auch „Arbeit“ mit sich bringt. Schließlich haben Katzen auch Bedürfnisse und dem einen Partner ist das vielleicht bewusster als dem anderen. Optimal wäre es natürlich, wenn der Katze Klettermöglichkeiten, Kratzbäume, mehrere Katzentoiletten, verschiedene Liegeplätze und Aussichtsplattformen zur Verfügung stehen, aber nicht jeder möchte in solch einer „verkatzten“ Wohnung leben.

Dann kann auch regelmäßig das Thema Katzenklo für Unfrieden sorgen. Ein Partner meint, immer für das Katzenklo zuständig zu sein, während der andere möglicherweise keine Aufgabe erfüllt, was zur Versorgung der Katze beiträgt.

Oft passiert es auch, dass der „Kostenfaktor“ in einer Beziehung in den Mittelpunkt der Gespräche rückt.

Klischeehaft von mir formuliert, aber durchaus alltäglicher Streitpunkt: Frau kauft Unmengen an Sachen für die Katze und Mann sieht sich als reine Zahlungsmaschine. Frau macht sich Sorgen, um den gesundheitlichen Zustand des Vierbeiners und möchte sicherheitshalber zum Tierarzt gehen und Mann sieht sich die Katze an und meint, das sei unnötig, denn „die sieht gesund aus“. Frau ist der Meinung, ein riesiges Katzenfreigehege ans neu gebaute Haus anzubringen, damit sie die Lieblinge in Sicherheit weiß und Mann denkt sich nur „Was sagen denn da die Nachbarn? Das sind doch Katzen, lass sie raus!“.

Streitpunkt: Erziehung Beziehungskrisen_1

Unterschiedliche Meinungen zu Erziehungsmethoden bei Katzen können wiederholt zu Konflikten in einer Beziehung führen. So wie Frauchen und Herrchen unterschiedliche Personen sind, so setzen sie in Sachen Erziehung auch unterschiedliche Prioritäten. Dies kann folglich auch Auswirkungen auf die Katze haben, denn sie kommen durcheinander. Einmal dürfen sie am Tisch betteln oder im Kleiderschrank herumkrabbeln und einmal nicht?

Ein weiterer, unter Umständen sehr prekärer Streitpunkt – „Darf die Katze mit ins Bett?“ Was für manche Katzenhalter völlig selbstverständlich ist, finden andere wiederum unhygienisch oder sehen das gemeinsame Teilen des Schlafplatzes, als falsch verstandene Tierliebe.

Streitpunkt: Ernährung

Selbst unter Experten ist die richtige Form der Ernährung der Katze ein heiß diskutiertes Thema. Die Meinungen gehen von Futter aus der Werbung bis hin zu „Barf“ oder gar veganer Ernährung weit auseinander. Diese Diskussion kann sich natürlich auch in eine Partnerschaft übertragen, da sich die verschiedenen Formen der Ernährung in Aufwand, Mühe sowie Kosten sehr stark unterscheiden können.

Streitpunkt: Eifersucht

Studien und Umfragen zeigen, dass Haustiere echte Beziehungskiller sein können. Jeder dritte Katzenbesitzer muss sich wohl vom Partner den Vorwurf gefallen lassen, dass die Katze einen höheren Stellenwert als er selbst hätte. Eifersucht auf Haustiere ist demnach keine Seltenheit. Oft nehmen Katzenhalter, die Eifersucht des Partners auf die Katze, gar nicht ernst, was eine große Gefahr für die Beziehung darstellt. Doch wer kann es nicht nachvollziehen, wenn sich der Partner zurückgesetzt fühlt, wenn nur noch die Katze im Gegensatz zum Partner mit Schmuseeinheiten überhäuft wird?

Streitpunkt: Schwangerschaft

Sehr häufig kommt es zu Konflikten, wenn das Pärchen Nachwuchs erwartet. Nicht nur die Schwangerschaft allein kann für veränderte Gefühlslagen in der Beziehung sorgen, sondern auch die Tatsache, dass die Frau möglicherweise das Risiko einer Ansteckung mit dem Erreger der Toxoplasmose minimieren möchte und so dem Partner das Saubermachen der Katzentoilette überlässt, kann zu Reiberein führen – vor allem dann, wenn der Partner die Säuberung der Toilette nicht entsprechend zuverlässig handhabt.

Darüber hinaus ist eine Schwangerschaft bzw. wenn das Neugeborene nach Hause kommt, für viele Paare der Auslöser dafür, ihre Vierbeiner wieder abzugeben. 
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Streitpunkt: Verhaltensauffälligkeiten

Und dann kann es natürlich sein, dass die Katze wirklich „störendes Problemverhalten“, wie Unsauberkeit, Aggressionen, übermäßiges Kratzen oder Schreien etc. an den Tag legt, was in vielen Fällen die Beziehung auf die Probe stellen kann. Vor allem dann, wenn durch das Problem sogar an eine Abgabe der Katze gedacht wird.

Ich habe zum Beispiel erlebt, dass bei einem Kundenpaar, die Katze sämtliche Einrichtungsgegenstände markiert hat. Allerhand Ratschläge von Freunden und auch Tierärzten wurden bereits ausprobiert, um das Markierverhalten der Katze in den Griff zu bekommen. Leider alles vergebens. Die Ehefrau bat mich verzweifelt um Hilfe, denn dem Mann sei der Kragen fast geplatzt, als die Katze auch noch einen Kurzschluss verursachte, als sie in eine Steckdose markierte und stellt sie vor die Wahl: Abgabe der Katze oder er geht!

Bei einem anderen Kundentermin wurde ich zu Rate gezogen, da sich das Katzen-Geschwisterpaar nicht mehr verstanden hat. Die Katzen wurden seit 1,5 Jahre räumlich getrennt gehalten. Diese Situation bedeutete auch für das Paar, dass sie sich in der Nacht trennten. Aus Mitleid mit der einen Katze, hat der Mann beschlossen, mit der Katze „auf die Couch zu ziehen“. Immerhin sei die Katze den ganzen Tag alleine und seine Frau solle, im Schlafzimmer bei der anderen Katze schlafen, damit die Tiere auch noch menschliche Nähe genießen können.

Durchaus häufig kommt es auch vor, dass jeder der Partner eine Katze mit in die Beziehung bringt und nachdem die Zusammenführung ihrer mitgebrachten Katzen scheitert, weiterhin getrennt leben.

Tipps für ein harmonisches Zusammenleben mit Partner und Katze

Mein Beruf bringt es mit sich, dass ich mich nicht nur mit Problemverhalten rund um die Katze beschäftige, sondern vor allem die Katzenhalter im Umgang mit ihrem Haustier coache. Dabei gewähren mir Kunden oft Einblick ins Familienleben, was durchaus wichtig sein kann, um lösungsorientiert arbeiten zu können.

Schließlich sollten sich die Partner darüber einig werden, gemeinsam an einem Strang zu ziehen und Kompromisse einzugehen. Uneinigkeiten zwischen den Partnern, gehen auch an unseren Haustieren nicht spurlos vorüber. Beziehungskrisen_3Katzen sind feinfühlige Lebewesen und wahre Meister im Lesen unserer Körpersprache. Negative Stimmungen können sich auf Tiere übertragen und beispielsweise kann es passieren, dass ein „Unsauberkeitsproblem“ der Katze, das ursprünglich aus einem ganz anderen Grund entstanden ist, durch Beziehungsstress der Partner aufrecht erhalten bleibt.

Wie in so vielen Bereichen im Leben, sollte jeder offen für Kompromisse sein. Gegenseitige Rücksichtnahme auf die Gefühle des anderen, respektvoller Umgang und die Bereitschaft gemeinsam etwas lösen zu wollen, sollten wieder bewusster gelebt werden. Hat man eine Katze zu Hause, die Verhaltensweisen zeigt, die auffallend stören, sollten beide bereit sein, sich professionelle Hilfe ins Haus zu holen. Ist der Streit zwischen den Partnern aufgrund von starken Verhaltensauffälligkeiten der Stubentiger schon sehr festgefahren, ist es unter Umständen sogar ratsam auch eine Abgabe – zum Wohle der Katze und/oder der Beziehung – in Betracht zu ziehen. Aber auch hier gilt, dass so eine Entscheidung wohlüberlegt von statten gehen und genau wie die Anschaffung von beiden Teilen gemeinsam getragen werden sollte.

Viele Menschen stehen dem Beruf der Verhaltensberater für Katzen, skeptisch gegenüber – doch glauben Sie mir, ein Blick von außen und einem geschulten Auge kann Erleichterung in „eingefahrene Betriebsblindheit“ bringen. Wenn die Harmonie zwischen Mensch und Katze wieder hergestellt wurde, lösen sich in vielen Fällen plötzlich auch die zwischenmenschlichen Konflikte.