Beziehungskrise – So einfach lösen Sie Probleme im Zusammenleben!

Veröffentlicht im Katzenmagazin OUR CATS (Ausgabe 10/14)

Die Haltung von Katzen erscheint für viele Menschen ganz einfach, denn Katzen stellen keine großen Ansprüche: sie gelten als pflegeleicht, selbstständig und kommen auch gut ohne den Menschen zurecht. Für alle Bedürfnisse ist gesorgt, wenn man einen Kratzbaum, ein Katzenklo, eine kleine Spielzeugmaus und Futter besorgt. Der Wassernapf gehört noch gefüllt und Streicheleinheiten für die Katze hat jeder gerne übrig. Hört sich das nicht alles ganz einfach an?

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Es hört sich einfach an, aber der Schein trügt – nämlich spätestens dann, wenn die Katze beunruhigende und unangemessene Verhaltensweisen zeigt. Eine Beziehung zwischen Mensch und Katze verläuft nicht immer nur reibungslos und harmonisch. Beziehungskrisen sind vorprogrammiert, wenn sich Minka an der neu gekauften Couch mit ihren Kratzspuren verewigt, Felix mitten in der Nacht Herrchen mit lautem Miauen aus dem Schlaf reißt oder Tommy den Badezimmerteppich als Katzentoilettenersatz benutzt.

Welche Probleme gibt es im Zusammenleben?

Bekanntermaßen kann uns eine Katze nicht erzählen, wenn die Katzenseele krank ist und sie sich unwohl fühlt, weshalb plötzliche Verhaltensänderungen oftmals der einzige Hinweis für uns Menschen sind, dass etwas nicht in Ordnung ist.

Es sei hier aber auch erwähnt, dass es Verhaltensweisen gibt, die uns als Mensch zwar manchmal den letzten Nerv rauben, aber eigentlich keine echten Verhaltensstörungen sind bzw. auch nicht als Fehlverhalten interpretiert werden sollen. Gerade Verhaltensmuster wie zum Beispiel Krallenschärfen oder Harnmarkierungen zählen zum normalen Verhaltensrepertoire der Katze. Damit möchte ich aber nicht zum Ausdruck bringen, dass man sich als Katzenbesitzer mit für uns als störend empfundene „Unarten“ abfinden soll. Jedoch möchte ich dazu aufrufen das Verhalten einer Katze zu beobachten, auftretende Probleme unter die Lupe zu nehmen und somit die Katze auch besser verstehen zu lernen.

Wenn der Mensch mit Verständnis und  Einfühlungsvermögen auf die Bedürfnisse der Katze eingeht und auch bereit ist, einige Dinge in der Wohnung und oftmals auch an sich selbst zu verändern, dann stehen die Prognosen schon sehr gut, dass sich die meisten „Unsitten“ relativ schnell wieder in die richtige Bahn lenken lassen.

Überdies gibt es aber auch sogenannte echte Verhaltensstörungen, das heißt Verhaltensweisen, die stark vom gewöhnlichen Normalverhalten abweichen, beispielsweise Stereotypien – rituelles und ständig auftretendes Verhalten ohne Zusammenhang von Umwelteinflüssen oder äußerlichen Reizen, wie Schwanzjagen, im Kreis laufen oder an Wolle nuckeln. Allerdings gibt es auch hier zu beachten, dass der Übergang von einer als „Unart“ empfundenen Verhaltensweise fließend in ein verstärkt gezeigtes Verhalten verläuft und sich mit der Zeit und unter bestimmten Umständen zu einer echten Verhaltensstörung entwickeln kann. Um jenem Problemverhalten auch wirklich „Herr“ zu werden und um vor allem der Katze zu helfen, rate ich sich Hilfe bei verhaltenstherapeutisch geschulten Katzenpsychologen zu suchen.
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Wie erkennt man die Symptome? Wie findet man die Ursachen?

Es gibt viele Katzen, die unter Umständen leben, die ihren arttypischen Ansprüchen nicht angemessen sind. Oft sind diese Katzen mit der Situation überfordert und folglich werden Verhaltensweisen ausgelöst, welche die Beziehung zwischen Katzenhalter und Katze stark belasten und auf die Probe stellen.

Zu allererst sei hier trotzdem erwähnt, dass veränderte Verhaltensweisen das Resultat einer körperlichen Erkrankung sein können. Reine Vermutungen eines Verhaltensproblems können bedauerlicherweise zu Lasten der Katze gehen, weshalb es unerlässlich ist Schmerzempfinden und andere Erkrankungen auszuschließen.  

Stress ist einer der Hauptursachen für Verhaltensprobleme bei Katzen, wobei es vielen Katzenhaltern sehr absurd erscheint, dass ihre Katze gestresst sein könnte. Das Gegenteil ist aber der Fall, denn Katzen sind durch ihre feinfühlige Art sehr anfällig für Stressreaktionen.

Häufig reagieren Katzen, die vom Charaktertyp her schon mal als ängstliche und unsichere Tiere beschrieben werden, empfindlicher auf Stress im Haushalt. Durch ihre Angst sind sie meist gehemmter und weniger anpassungsfähig bei Veränderungen, als selbstsichere Katzen. Dies führt demzufolge auch dazu, dass sie  anfälliger für das Entwickeln von auffälligem Verhalten sind. Beziehungskrisen_3

Typische Faktoren, die Stress bei Katzen auslösen sind zum Beispiel Veränderungen der gewohnten Haltungsbedingungen im Leben der Katzen. Der Verlust der Bezugsperson, ein Umzug, der Einzug eines neuen tierischen Mitbewohners im Haushalt, ein neues Familienmitglied, Umbauarbeiten im Haus, Urlaub der Katzenhalter. Vielen Katzenhaltern ist mehrfach auch nicht bewusst, dass Langeweile, Eintönigkeit und Unterforderung der Katze auch zu Stressreaktionen bei Katzen führen können. Ebenso veränderte Fütterungszeiten, ein späteres Heimkehren der Halter oder Katzen in der Nachbarschaft, die ihnen das Revier streitig machen möchten, können zu verändertem Verhalten der Katze führen.

Welche Lösungen gibt es?

Nach der Ursachenforschung folgt die Suche nach passenden Lösungsstrategien.

Beziehungskrisen_4Gerade in jenen Fällen, wo es sich um ängstliche, unsichere Katzen handelt, steht im Vordergrund das Selbstbewusstsein der Katze zu stärken und der Katze Sicherheit zu geben. Dies gilt auch für Katzen, die zum Urinsprühen neigen, denn das Markieren mit Urin ist meist ein Ausdruck von Unsicherheit.

Handelt es sich um eine unsaubere Katze, die die Katzentoilette nicht mehr benutzt, sollte auf jeden Fall das Toilettenmanagement, dh. Anzahl der Katzentoiletten, die richtige Streuart, die Bauweise des Katzenklos, der Standort etc. überdacht werden.

Unterforderte Katzen zeigen oft aggressives Verhalten oder neigen auch dazu aufmerksamkeitserregendes Verhalten wie beispielsweise übermäßiges Vokalisieren. Es sollte für eine artgerechte Wohnungsausstattung mit Klettermöglichkeiten gesorgt werden. Geeignetes Katzenspielzeug, Beschäftigungs- und Intelligenzspielzeug und ausgiebige Spielsessions können Langeweile vorbeugen.

Es wird leider auch  noch viel zu sehr unterschätzt wie stark sich das Verhalten der Katze durch die Stimmung ihrer Menschen beeinflussen lässt. Hier ist zu beachten, dass sich sowohl positive aber auch negative Stimmungen auf unsere Stubentiger übertragen lassen. Ist man als Mensch hektisch, nervös oder unruhig sollte man sich auch darüber bewusst sein, dass auch unsere Katzen diese Emotionen aufnehmen können. Im Zuge einer erfolgreichen Verhaltenstherapie ist es von entscheidender Bedeutung, dass der Mensch durch seine eigene Ruhe und Gelassenheit für die notwendige Stabilität in der Beziehung sorgt.