Wohnungshaltung versus Freigang – drinnen oder draußen

Veröffentlicht im Katzenmagazin OUR CATS (Ausgabe 06/16)

 

Wie bei vielen Themen rund um die Katze, so gibt es auch beim Thema Freigang oder reine Wohnungshaltung oft einen wahren „Glaubenskrieg“ zwischen den Verfechtern der beiden Haltungsformen. Fakt ist, dass es bei beiden Arten der Haltung sowohl Vorteile als auch Nachteile gibt.

 

Cover_1_6.16Freigang: Liebe heißt auch loslassen

 

Die Überlegung, ob die Katze eine Wohnungs- oder eine Freilaufkatze sein soll, stellt sich im Prinzip nur, wenn es überhaupt die Gelegenheit gibt der Katze Freigang – möglichst ohne Gefahren – in einer sicheren Gegend anzubieten.

 

Von Freigang spricht man, wenn die Katze einen Ausgang in die Natur und auch einen geeigneten Zugang zur Wohnung hat, den sie jederzeit beliebig benutzen kann, sowie ein Gebiet, in dem sie sich frei bewegen und der Jagd nachgehen kann.

 

Tatsache ist leider, dass die Voraussetzung der „sicheren und gefahrlosen“ Gegend bei den meisten Katzenbesitzern nicht gegeben ist – denn selbst wenn, drohen immer noch zahlreiche Gefahren durch den Straßenverkehr. Ebenso werden Katzen öfter gestohlen, vergiftet oder fallen Tierquälern zum Opfer. In ländlichen Gebieten muss man sich auch darüber im Klaren sein, dass Jäger nach dem Jagdgesetz „wildernde“ Katzen, die ein paar hundert Meter von Zuhause entfernt sind, einfach abschießen dürfen. Durch Kontakt oder Kämpfen mit fremden Katzen kann es zu Verletzungen, aber auch zu gefährlichen und schwerwiegenden Infektionskrankheiten kommen. Vermehrter Parasitenbefall ist da sicherlich noch das kleinste Übel.

 

Wenn man sich diese Auflistung ansieht, dürften daher die Vorteile des Freigangs die Nachteile nicht aufwiegen und die Wahl der Haltungsform ist meist schnell auf reine Wohnungshaltung gefallen.

 

„Doch was will denn die Katze?“

 

Viele Katzen sind mit einem Leben ausschließlich in der Wohnung rundum glücklich und können der großen weiten Welt nichts abgewinnen. Zum einen, weil sie von Geburt an in der Wohnung gehalten wurden und die Natur deshalb nicht vermissen, weil sie sie ja nicht kennen, zum anderen, weil sie einfach genug davon haben und sie sich besser im Haus entspannen können.

 

Dann gibt es aber auch richtige „Freigeister“ unter den Katzen, die ein großes Unbehagen empfinden, wenn sie nicht in der Natur herumstreifen dürfen, egal wie viel Sozialkontakt man ihnen mit Artgenossen zur Verfügung stellt oder egal wie viel Beschäftigung sie doch haben mögen.Freigang_Wohnungshaltung_1_6.16

 

In diesen Fällen wird man nicht drum herum kommen, so einem „Freigeist“ Auslauf zu gewähren – auch wenn die Gefahren in freier Wildbahn für den Stubentiger groß sein können. Frei nach dem Motto „Liebe heißt auch loslassen zu können“.

 

Was ist zu beachten, wenn man der Katze ungesicherten Freigang gewährt?

 

Wenn die Katze das erste Mal Freigang bekommt, sollte sie sich schon deutlich und sichtbar im Eigenheim wohlfühlen und das Zuhause als ihres ansehen. Das bedeutet, dass sie sich mindestens schon 6 Wochen in dem Zuhause befinden sollte, damit sie einen Bezug zu diesem Ort entwickelt hat.

 

Enorm wichtig ist auch, dass Katzen und Kater kastriert werden, bevor sie ins Freie gelassen werden. Einerseits deshalb, weil es jedes Jahr zahlreichen ungewollten Katzennachwuchs gibt und andererseits, weil dadurch das Risiko minimiert wird, dass sich die Tiere mit bestimmte Infektionskrankheiten anstecken. Unkastrierte Katzen kämpfen nämlich weitaus häufiger untereinander als kastrierte Miezen. Durch Revierkämpfe kann beispielsweise FIV (Katzenaids) übertragen werden.

 

Wer der Katze ungesicherten Freilauf gibt, sollte der Katze möglichst kein Halsband anlegen. Ein Halsband kann sich in Zäunen oder Zweigen verfangen. Es sind schon die wildesten Unfälle mit Halsbändern passiert. Möglich wäre auch, dass eine Katze beim Versuch sich das Halsband mit den Pfoten abzustreifen, eine Pfote hindurchstreckt und ohne Hilfe nicht wieder von selbst hinauskommt. Folglich kann die Mieze nicht mehr laufen und daher eventuell auch nicht mehr nach Hause kommen.

 

Freigang_Wohnungshaltung_2_6.16Auch auf die Gesundheitsvorsorge bei Freilaufkatzen ist zu achten. Der Freigänger sollte regelmäßig entwurmt werden, einen ausreichenden Impfschutz besitzen und regelmäßig auf Parasitenbefall (Flöhe, Zecken, etc) hin untersucht werden. Eine Kennzeichnung mit registriertem Mikrochip, damit man im Fall des Falles zuordnen kann, wem die Mieze gehört, sollte eigentlich auch selbstverständlich sein.

 

Bewährt hat sich vor dem Füttern der Katze immer ein spezielles, weithin hörbares Geräusch zu machen. Beispielsweise ein Fressnapfklappern oder ein Glöckchen. Falls die Katze nämlich einmal weglaufen sollte, kann dieser Ton nützliche Dienste erweisen.

 

Ebenso kann man für den Fall, dass die Katze einmal weglaufen sollte bzw. sie einmal gesucht werden sollte, gute Fotos vom Tigerchen machen und sich wichtige Informationen, wie besondere Merkmale notieren.

 

Sollte sich eine Regentonne oder gar ein Teich oder Swimmingpool im Garten befinden, dann kann dies ein erhebliches Risiko für Katzen darstellen, wenn sich der Wasserspiegel erhöht. Einmal hineingefallen, kommt sie nicht mehr so schnell heraus. Daher ist es nützlich Regentonnen zuzumachen, Teiche mit flachem Rand auszustatten und Swimmingpools abzudecken, wenn sie nicht benützt werden bzw. den Pool mit einer Ausstiegshilfe, speziell für Katzen auszustatten (im Handel erhältlich). Beispielsweise könnte man auch Sisalmatten über den Rand des Swimmingpools sichtbar anbringen, dass sie einem schwimmenden Tier Halt bieten könnten um herauszuklettern. Ebenso hat sich bewährt, die Nachbarschaft zu informieren, dass man eine Katze hat, damit diese auch entsprechende Maßnahmen setzen könnten.

 

Erziehungstechnisch kann man einer Katze leider nicht beibringen sich von Autos fernzuhalten. Allerdings kann man das Risiko des Straßenverkehrs deutlich minimieren, wenn man der Freilaufkatze von Anfang an angewöhnt, vor Einbruch der Dunkelheit nach Hause zu kommen. Dazu füttert man die Katze regelmäßig vor Einbruch der Nacht und lässt sie anschließend nicht mehr nach draußen.

 

Reviergröße und wie weit eine Katze läuft

 

Das Revier einer Katze gliedert sich in eine oder mehrere Kernzonen, sowie einer Streifzone, den Territorien.

 

Das Kerngebiet der Katze ist das Gebiet, in dem sich die Katze am sichersten fühlt – dh. da, wo sie tief schläft, spielt, frisst und alle Vorteile des Zusammenlebens mit Menschen genießt. Im Gegensatz dazu, gibt es die Streifzonen. Diese werden hauptsächlich für die Jagd genutzt. Die Größe der Territorien ist bei jeder einzelnen Katze sehr verschieden und hängt von der Jahreszeit, dem Grad des Selbstvertrauens, dem Nahrungsangebot, dem Geschlecht, der Populationsdichte und noch einigen Faktoren mehr ab.

 

Freigang_Wohnungshaltung_3_6.16Beispielsweise bewohnen aber verwilderte Katzen, die sich selbst mit Beutetieren versorgen müssen, die größten Territorien. Das sind ca. 3 km² bei Katzen und ca. 10 km² bei potenten Katern.

 

Häusliche Gefahren

 

Auch in reiner Wohnungshaltung gibt es einige Gefahren für neugierige Katzen. Es sollte sich von selbst verstehen, dass Katzen von Putzmitteln, Giftpflanzen, Medikamenten oder anderen schädlichen Stoffen ferngehalten werden sollten. Gewisse Haushaltsreiniger sind entweder akut oder chronisch giftig für Katzen. Reste von Putzmitteln können bei der Katzenwäsche im Fell verteilt werden und gelangen dann über die Zunge in den Organismus.

 

Bei jungen, kleinen Katzen ist es wichtig, Spalten wie beispielsweise einen Spalt zwischen Waschmaschine und Wand abzusichern, damit das Kitten nicht stecken bleibt. Gerade bei Kitten sollte auch daran gedacht werden, dass Elektrokabel ein unwiderstehliches Spielzeug für Katzen sind. Sehr gefährlich wird es, wenn sie mit den spitzen Zähnchen die Isolierungen durchbeißen.

 

An schmerzhafte Verbrennungen sollte gedacht werden! Immer wieder zeigen Katzen, dass sie wenig Furcht vor offenen Flammen haben, denn das Flackern finden sie ausgesprochen interessant. Auch Heizkörper können ein Grund für Verbrennungen sein, denn Miezen lieben Wärme, ohne dabei aber die schädliche Hitze auf ihrer rezeptorarmen Haut zu spüren.

 

Waschmaschine, Wäschetrockner oder aber auch Geschirrspüler, sollten vor dem Einschalten kontrolliert werden, ob sich nicht eine Katze darin befindet. Mit die häufigste Ursache tödlicher Unfälle sind Kippfenster, in denen sich die Katze einklemmt. Hier wäre an ein Katzengitternetz beim Fenster zu denken!

 

Die kleine Freiheit

 

Für Wohnungskatzen gibt es noch eine weitere Möglichkeit deren Haltung zu verbessern – nämlich mit einem gesicherten Balkon oder einer Terrasse, die mit einem Katzennetz abgesichert ist.

 

Um das kleine Glück absturzfrei gestalten zu können, muss allerdings zuvor die Zustimmung des Vermieters eingeholt werden. Sobald die Absicherung genehmigt ist, steht dieser nichts mehr entgegen, denn im Handel gibt es genug verschiedene Katzennetze und im Internet lässt sich so einiges von anderen Katzenhaltern abschauen.Freigang_Wohnungshaltung_4_6.16

 

Erhöhte Aussichtsplätze und Sonnenplätze werden von Katzen auf dem Balkon sehr bevorzugt. Ebenso liegen Katzen gerne in Töpfen, in denen Katzengras oder Hafer gepflanzt ist. Es sollte alerdings immer gewährleistet sein, dass die Katze jederzeit zwischen Sonne und Schatten wechseln kann.

 

Sobald die Katze Balkonien uneingeschränkt genießen darf, stellt sich die Frage, was in der „kleinen Freiheit“ wachsen und blühen soll. Pflanzen sollten natürlich vorher ausführlich auf Katzentauglichkeit im Sinne von „nicht giftig“ kontrolliert werden. Für den Fall, dass die Pflanzen einen Dünger brauchen, sollten nur biologische und natürliche Spritzmittel verwendet werden. Es gibt Pflanzen, die Katzen besonders mögen und die ungiftig sind, wie beispielsweise Katzenminze, Baldrian oder die Grünlilie.

 

Fazit

 

Letzendlich ist zu sagen, dass jeder selbst die Entscheidung treffen muss, welche Art der Haltung er für seine Katze bevorzugt. Wichtig ist auf jeden Fall, immer auch an das Wohl und die Vorlieben seiner Katze zu achten! Wer sich gar nicht auf Freigang einlassen möchte, aber einen eigenen Garten zur Verfügung hat, sollte sich überlegen, ob er nicht den Garten „katzensicher“ einzäunen kann. Es gibt viele Möglichkeiten den Garten dahingehend zu sichern, dass keine Katze mehr über den Zaun klettern kann und der Stubentiger könnte dann trotzdem das Gras unter seinen Pfoten genießen.