Welche Katze passt zu mir?

Veröffentlicht im Katzenmagazin OUR CATS (Ausgabe 02/15)

Wer sein Zuhause mit einer Katze bereichern möchte, muss sich vor der Anschaffung mit einer Reihe von Fragen auseinandersetzen. Zuerst sollten selbstverständlich die grundlegenden Themen zur künftigen Tierhaltung geklärt sein. Als angehender Katzenhalter sollte man sich gewissenhaft überlegen, ob eine Katze überhaupt in das momentane und vor allem auch in das zukünftige Leben passt.

Welche_Katze_2.15_Cover_1Es muss einem klar sein, dass man bereit sein sollte, der Katze die nächsten 15-20 Jahre ein verantwortungsvoller Freund zu sein. Dazu zählt neben der katzengerechten Haltung, der täglichen Versorgung, den regelmäßigen Tierarztbesuchen und finanziellen Kosten, auch die Bereitschaft der Katze ausreichend Zeit und Beschäftigungsprogramm widmen zu können. Im Vorhinein ist auch zu überlegen, wer die Katze bei längerer Abwesenheit des Besitzers versorgen kann oder ob andere Haustiere mit dem Neuankömmling klar kommen werden. Dringendst abzuraten ist von spontanen oder emotional geprägten Entscheidungen!

Auf der einen Seite gibt es unzählige schöne Momente, die man mit einer Katze an seiner Seite erlebt, aber demgegenüber kann es auch Situationen geben, die einem nicht so gefallen. Wer eine Katze hält, wird auch damit konfrontiert, dass Katzenhaare nicht nur an der Kleidung sind, sondern auch in der Luft herumwirbeln, dass Futter neben dem Napf liegt, dass erbrochene Haarbüschel auf dem Teppich liegen, dass Katzenstreu durch die Wohnung geschleppt wird oder auch dass der ein oder andere Kratzer auf einem Möbelstück vorzufinden ist, welches gerade erst neu gekauft wurde. Jeder angehende Katzenhalter wird jetzt sagen „ja, das weiß ich doch alles und das muss man halt hinnehmen“, aber kann man damit wirklich immer tolerant umgehen, wenn man gestresst oder genervt nach Hause kommt und dann ein Malheur neben der Katzentoilette vorfindet?

Wie bereits erwähnt: der Verantwortung einer Katze sollte man sich bewusst sein, damit die Anschaffung nicht zu einem unüberlegten Schnellschuss wird, den man im Nachhinein bereuen könnte.Welche_Katze_2.15_1

Erst nachdem die genannten Umstände zufriedenstellend geklärt wurden, stellt sich die Frage nach der passenden Katze.

Ganz wichtig ist hier, dass man sich nicht von Optik und Niedlichkeitsfaktor beeinflussen lässt. In erster Linie sollte man sich nach den Persönlichkeiten der Katze richten. Ist man selbst ein zurückhaltender Zeitgenosse und genießt gerne die Stille, dann passt vielleicht eine Katze besser zu einem, die auch ruhiger ist und nicht zu viel Temperament an den Tag legt. Lebt man in einer Familie, in der es noch jüngere Kinder gibt, sollte keine schüchterne Katze gewählt werden. Schüchterne Katzen brauchen geduldige Menschen, denen ausgiebiger Körperkontakt gerade in der Eingewöhnungsphase nicht allzu wichtig ist.

Im Folgenden werden typische, häufige Fragen beantwortet und sollen eine Hilfestellung für angehende Katzenhalter darstellen.

Hauskatze oder Rassekatze?

Bei der Wahl des passenden Mitbewohners, stoßen so einige Katzenfreunde auf die Frage, ob es eine „normale“ Hauskatze oder eine Rassekatze werden soll. Sehr oft ist diese Entscheidung wohl aber eine reine Geschmackssache.

Die Anschaffung einer Rassekatze geschieht in den häufigsten Fällen wegen ihrem Aussehen und den Charakterzügen, denen einer Rasse nachgesagt werden. Menschen die weniger Wert auf bestimmtes Aussehen, die Fellfarbe oder die Haarlänge legen, finden sicher auch unter Hauskatzen einen geselligen und freundlichen Mitbewohner.

Bei Rassekatzen findet man unzählige niedergeschriebene Rassebeschreibungen. Allerdings sind diese mit Vorsicht zu genießen, denn diese Beschreibungen müssen nicht auf jede Katze zutreffen! Natürlich stimmt es, dass gewisse Charakterzüge bei Rassekatzen schon von Geburt an ausgeprägter sind als bei Hauskatzen. Im Hinblick auf die Persönlichkeit und Charakter der Vierbeiner spielen jedoch Aufzucht, Haltung und Erfahrungen aus der Kittenzeit eine viel größere Rolle, als die meisten Menschen vielleicht denken.

Welche_Katze_2.15_2Dennoch gibt es natürlich rassebedingte Unterschiede im Verhalten und bei bestimmten Rassen ist es nicht immer sinnvoll diese zusammenzuhalten. Als Beispiel könnte man hier Perser (tendentiell ruhiger) und Orientalen (tendentiell aufdringlich) anführen.

Hat man sich etwa für den Kauf einer Rassekatze entschieden, sollten die Kitten ausschließlich von eingetragenen Züchtern erworben werden. Für viele Menschen ist es verlockend billige Rassekatzen von sogenannten „Hobbyzüchtern“ zu erstehen. Nicht selten geht der Schuss jedoch nach hinten los und man sieht sich plötzlich mit viel höheren Kosten konfrontiert als ursprünglich eingeplant war.

Ob Rassekatze oder doch lieber Hauskatze, ist eine individuelle Entscheidung, die jeder Katzenhalter für sich selbst entscheiden sollte.

Jung oder alt?

Kaum jemand kann dem besonderen Charme junger Kätzchen widerstehen. Sie sind klein, verspielt, tollpatschig und immer für lustige Streiche zu haben. Es gibt nichts Schöneres, als diesen neugierigen Geschöpfen beim Entdecken der Welt zuzusehen. Einer der Vorteile junger Katzen ist bestimmt, dass man die Katze in seiner gesamten Entwicklung beobachten kann, sie natürlich „etwas nach seinen“ Wünschen formen kann und ihre Eigenheiten und Marotten mit ihr gemeinsam kennenlernt. Im Idealfall hat das Kätzchen bisher keine negativen Erlebnisse erfahren und begegnet der Umwelt auf eine offene und positive Art und Weise. Gleichzeitig sollte man sich aber auch bewusst sein, dass die junge Katze noch sehr viel lernen muss. Die meisten Jungkatzen müssen lernen, dass Pflanzen keine Kratzbäume sind, Vorhänge nicht zum Bergsteigen sind, der Esstisch kein Spielplatz ist und vor allem, dass die Katzentoilette nicht umsonst so genannt wird. Aufmerksamkeit, Zeit und Geduld sind gefragt! Überdies ist es wichtig zu wissen, dass Babykatzen nicht ohne Katzengesellschaft gehalten werden sollten.

So schön es sein kann, einem Kätzchen ein Zuhause zu geben, sollte der Umstand aber nicht vergessen werden, dass es auch sehr spannend sein kann, einer erwachsenen Katze ein Heim zu bieten. Ein Vorteil älterer Katzen gegenüber Jungspunden ist, dass sich diese meist schon gesitteter benehmen und die wilden Phasen des Herumtobens schon überstanden haben. Man kann den jeweiligen Charaktertyp schon sehr gut erkennen. Bei jungen Katzen ist es wesentlich schwieriger festzustellen, welche Charaktereigenschaften sie mit sich bringen, da ihre Persönlichkeit noch nicht so stark ausgereift ist und sie noch nicht charakterfest sind.

Natürlich sollte aber nicht vergessen werden, dass eine erwachsene Katze in ihren prägenden Jahren schon allerhand erlebt haben kann. Positive, wie auch negative Erlebnisse, die situativ ihr Verhalten bestimmen können. Es ist zu empfehlen, die Katze einige Zeit vor der Übernahme etwas intensiver kennenzulernen. Jeder Vorbesitzer oder Tierheimmitarbeiter ist sicher gerne bereit Vorlieben, Gewohnheiten und Persönlichkeit der erwachsenen Katze näher zu beschreiben und den neuen Besitzer darüber zu informieren. Schließlich soll es nicht zu Lasten der Tiere, zu unerwarteten Überraschungen kommen.

Kater oder Kätzin?

Welche_Katze_2.15_3Wer sich ernsthaft für die Aufnahme einer Katze in der Familie vorbereitet, wird sich ebenso mit der Frage „Kater oder Kätzin?“ beschäftigen. Das ist auch gut so, denn es gibt tatsächlich Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Neben dem anatomischen Unterschied, dass Kater im Durchschnitt mehr wiegen und größer sind  als weibliche Katzen, gibt es auch geschlechtsspezifische Verhaltensunterschiede. Schon in der Kittenzeit unterscheidet sich das Spiel zwischen den Geschlechtern sehr deutlich. Kater kämpfen und balgen sehr gerne, während junge Katzeninnen wesentlich mehr an Objekten interessiert sind und dabei ihr Jagdgeschick trainieren. Kätzinnen genießen ein leichtes Kraulen oft mehr im Gegensatz zu Kater, die auch gerne mal richtig fest durchgeknuddelt werden.

Dieser feine Unterschied kann bei der Auswahl einer Zweitkatze natürlich eine große Rolle spielen. Wenn bereits ein Kater vorhanden ist, und ein weibliches Tier dazukommt, welches von Haus aus zart besaiteter ist, kann der Umstand des unterschiedlichen Spiel- und Raufverhaltens zu Problemen in der Gruppe führen. Meist können sensiblere Katzen mit dem gröberen Spielen der Kater nichts anfangen. Das soll allerdings nicht heißen, dass sich geschlechtsunterschiedliche Katzenpärchen nicht verstehen müssen. Viel entscheidender ist, dass man bereits bei der Auswahl einer zusätzlichen Katze darauf achtet, dass die jeweiligen Charaktere sich grundsätzlich einander ähneln.

Auch unter Kater gibt es manchmal richtige Softies, die sehr zart spielen. Ebenso gibt es natürlich richtig taffe Katzenmädels. Dieser Umstand hängt oft mit den Wurfgeschwistern zusammen, denn eine Kätzin unter drei Katerbrüdern hat das wilde Spielverhalten der Brüder schon gewohnt und so auch ihr Verhalten angepasst. Umgekehrt kann ein einzelner Kater in einem Katzenwurf auch gelernt haben, vorsichtiger zu spielen.

Neben diesen Unterschieden sollte man sich allerdings bewusst sein, dass bei Katzen die Individualität eine große Rolle spielt und man bei der Auswahl der Katze, die jeweilige Katze nach dem Charakter beurteilen sollte und nicht nach Geschlechtsvorlieben.

Welche_Katze_2.15_4Drinnen oder draußen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man eine Katze halten kann. Reine Wohnungshaltung, kontrollierter bzw. gesicherter Freigang oder die Katze entscheidet selbst, wann sie im Haus oder draußen sein möchte.

Eines gleich vorweg: es ist unumstritten, dass es wirklich Katzen gibt, die ein stark ausgeprägtes Freiheitsbedürfnis haben und in einer reinen Wohnungshaltung unglücklich wären. Allerdings gibt es auch Stubentiger, die genau diesem Namen alle Ehre machen und in den eigenen vier Wänden ein Leben lang rundum zufrieden sind.

Jede Haltungsform hat ihre Vor- und Nachteile, die gegeneinander abgewogen gehören und schließlich kommt es auch auf die jeweilige Katze an. Bei der Frage, ob Indoor- oder Outdoorkatze sollte individuell im Sinne der Katze entschieden werden und das Wohl des Vierbeiners sollte im Vordergrund stehen! Vor der Anschaffung sollte sich jeder Katzenhalter gut überlegen, welche Art der Katzenhaltung besser zu seinem Lebensstil passen würde und erst dann sollte man sich auf die Suche nach der dazu passenden Katze machen.

Wenn man abseits der Stadt auf dem Land lebt, ist es vielleicht möglich, der Katze Auslauf ins Freie zu gewähren. Die Katze kann dann dem natürlichen Verhalten nach, ein größeres Revier erkunden und ist wesentlich ausgelasteter als eine reine Wohnungskatze. Nachteile sind natürlich die latent erhöhte Unfallgefahr auf befahrenen Straßen, Vergiftungsmöglichkeiten, Gartenteiche, freilaufende Hunde, Beschwerden der Nachbarn über Markieren, Vögelfangen etc. Diese Gefahren bestehen bei Katzen, die als reine Stubentiger gehalten werden natürlich nicht. Dagegen sollte in Wohnungshaltung darauf geachtet werden, dass das Umfeld für die Katze wirklich so artgerecht wie nur möglich angepasst wird. Mehrere Katzentoiletten und ausreichend Beschäftigungsmöglichkeiten, Ruheplätze und Kratzstellen sollten hierbei Pflicht sein. Informiert man sich über vernünftige Katzenhaltung, dann können auch Wohnungskatzen ein gutes und adäquates Leben führen.

Hier ist auch noch ein überaus wichtiger Punkt zu erwähnen: eine reine Wohnungskatze sollte keinesfalls in Einzelhaltung leben. Die Katze ist ein soziales Tier. Der Mensch als Partner, kann die Sozialkontakte unter Katzen nicht ersetzen.

Zum Abschluss sei auch noch erwähnt, dass es sich, wenn man sich zum Beispiel eine bereits erwachsene Katze nimmt, lohnt, genauer nachzufragen, wie das Tier zuvor gehalten wurde. Auf keinen Fall, sollte eine Katze, die bereits Freigang kennen gelernt hat, in eine reine Wohnungshaltung gepresst werden. Verhaltensauffälligkeiten sind hier vorprogrammiert, da die Tiere förmlich „die Wände hochgehen“ und die räumliche Begrenzung vom Revier oftmals nur schwer dulden können!