Therapeuten auf Samtpfoten

Veröffentlicht im Katzenmagazin OUR CATS (Ausgabe 09/15)

 

Wer sich sein Zuhause mit einer Katze oder gar mehreren teilt, der weiß, wie gut es der Seele tut über das weiche Fell zu streicheln und mit ihnen zu kuscheln. In schwierigen Zeiten spenden sie einem wortlos Trost, sind verlässliche Freunde und oft auch heilsame Co-Therapeuten. Aufgrund ihrer wohltuenden Wirkung werden Katzen heutzutage schon sehr häufig bei Therapien, den sog. tiergestützten Therapien eingesetzt. Durch ihre geduldige und ruhige Art können sie Kindern bei Lernschwierigkeiten helfen.

Daneben können Katzen verhaltensauffällige Jugendliche unterstützen, aber auch älteren Menschen neue Lebenskraft schenken und ebenso die Motivation zur Kommunikation oder Aktivität wieder neu entfachten.

 

Freundschaften zwischen Kinder und KatzenSeelentherapeuten_Cover_1

 

Der Wunsch nach einem eigenen Haustier kommt bei Kindern im Allgemeinen sehr früh auf, denn etwas Lebendiges streicheln und umsorgen zu können, stellt eine spannende Angelegenheit dar. Kinder, die mit Tieren aufwachsen und diese auch betreuen dürfen entwickeln sich nicht nur in ihrer Individualität zum Positiven, sondern lernen auch Verantwortung für etwas zu übernehmen. Pflichtbewusstsein, Naturverbundenheit, rücksichtsvolles Verhalten, Lebensfreude oder gar Optimismus können mit Hilfe einer Katze gefördert werden.

 

Bedauerlicherweise gibt es in der heutigen Zeit sehr viele Scheidungskinder. Gerade auch in diesen Fällen stellt ein Haustier eine willkommene Abwechslung zum belastenden Alltag dar und das Kind leidet weniger unter Einsamkeit, wenn es einen vierbeinigen Freund um sich hat. Katzen können dabei helfen weniger Verlustängste aufkommen zu lassen, vermitteln dem Kind Geborgenheit und stellen einen Gesprächspartner für viele Probleme dar. Kinder können der Katze Geheimnisse anvertrauen, ohne dabei Angst haben zu müssen, dass sie jemandem weitererzählt werden. Selbst wenn das Kind etwas angestellt hat, wird es bei den Eltern oder anderen Familienmitgliedern nicht „verpetzt“. In gewisser Weise kompensiert eine Katze also bestimmte, bestehende Defizite und lindert Kummer und Sorgen.

 

Nach den neuersten Feststellungen der Wissenschaft neigen vor allem Kinder ohne Tiere in schwierigen Situationen oft dazu aggressiveres Verhalten oder stärkere Reizbarkeit an den Tag zu legen, als Kinder mit einem Haustier. Ebenso wirkt eine Katze auf „hyperaktive“ Kinder sehr beruhigend und ausgleichend und bietet seelischen Halt, denn bei Kummer begegnen uns Katzen mit Zuneigung und vermehrter Aufmerksamkeit.

 

Wissenschaftlich psychologische Erkenntnisse im Zusammenhang zwischen Haustieren und schulischem Leistungs- und Sozialverhalten bestätigen, dass Katzen ebenso einen positiven Einfluss auf die Entwicklung von sozialen Kompetenzen haben. Wenn sich das Kind mit der Katze aktiv beschäftigt und eine gute Freundschaft zu der Mieze entwickelt, dann wird dieses Kind auch sehr gute Kompetenzen in sozialen Beziehungen haben.

 

Seelentherapeuten_1Vergessen wird auch oft der Umstand, dass ein Kind, wenn es mit einer Katze in einem Haushalt zusammenlebt, die Kommunikation des tierischen Freundes verstehen lernt. Dies führt wiederum dazu, dass das Kind sich feine Nuancen der Kommunikation ohne Sprache aneignet. Es achtet daher auch beim Menschen mehr auf Gestik und Mimik und versucht auf dessen Körpersprache besser einzugehen.

 

Überdies sorgt der Umgang von Kindern mit Katzen auch für mehr innere emotionale Stabilität, was sich natürlich ebenso positiv auf schulische Leistungen des Kindes auswirken kann.

 

Fraglich ist natürlich trotz all den zuvor genannten Faktoren, ab welchem Alter man einem Kind eine Katze anvertrauen sollte. Erfahrungsgemäß hängt die Antwort hierbei stark von der persönlichen Reife eines Kindes und dessen Charakter ab. Ein Kind im Vorschulalter braucht noch mehr Hilfe im Umgang mit der Katze, als ein Grundschüler, der diese auch schon durchaus mit Unterstützung und unter Aufsicht der Eltern betreuen kann.

 

Grundvoraussetzung, egal in welchem Alter das Kind eine Mieze als Gefährten bekommt ist aber, dass die Eltern dafür Sorge tragen, dem Kind den artgerechten und richtigen Umgang und auch gewisse Grundzüge der Körpersprache einer Katze lernen. Nur dann wird sich zwischen den beiden eine wahre und vor allem lange Freundschaft entwickeln.

 

Katzen in öffentlichen Einrichtungen

 

Seelentherapeuten_2Gerade im therapeutischen Sinne können Tiere eine echte Bereicherung sein. Tiergestützte Therapie wird anhaltend mehr und das betrifft nicht nur die Arbeit mit Hunden, Kaninchen oder Meerschweinchen. Auch Katzen werden immer öfter als Therapietiere in Alters- und Seniorenheimen, Kliniken und anderen Institutionen eingesetzt. Sogar in einigen Psychotherapiepraxen sind die samtpfotigen Seelenhelfer anwesend. Therapieformen, wie beispielsweise Gesprächs- und Verhaltenstherapien, Tiefenpsychologie und andere Methoden für Menschen werden mit tiergestützten Therapieformen kombiniert.

 

Katzen bieten sehr gute Unterstützung im Umgang mit alten, pflegebedürftigen und dementen Menschen, aber auch Personen, die an physischen oder psychischen Erkrankungen leiden, können enorm davon profitieren.

 

Katzen als „Co-Therapeuten“ leisten wertvolle Dienste, da sie als „natürliches Anti-Stress-Mittel“ wirken können. Vor allem das Kuscheln am Schoß der Patienten, das intensive Einfordern gestreichelt zu werden und das sanfte Schnurren einer Katze bewirkt Ausgleich, Beruhigung, Nähe, Wärme und Anerkennung. Das Leben für die Patienten wird etwas angenehmer und die Möglichkeit zur Kommunikation mit den Tieren stellt eine tolle Abwechslung zum oft einsamen Patienten-Alltag in zb. einem Pflegeheim dar.

 

Als Bereicherung dienen die kleinen Tiger auch bei folgenden Problemen: Ängste, Depressionen, Neurosen, Essstörungen, Traumata oder auch bei mangelnder Selbstsicherheit. Die Wissenschaft hat sogar bestätigt, dass die Anwesenheit und der Umgang mit Katzen in der Regel die gleichen Ergebnisse im Entspannungsbereich für Patienten liefert, wie psychologische Entspannungsmethoden wie beispielsweise autogenes Training oder progressive Muskelentspannungsmethoden.

 

Welche Katze eignet sich als Therapie-Katze?

 

Als richtige Therapie-Katze können jedoch nur Katzen eingesetzt werden, die sehr zutraulich sind und es gewohnt sind mit ihrem Menschen unterwegs zu sein. Kratzen oder Beißen sollte für diese Katzen ein Fremdwort sein, denn es kann natürlich schon passieren, dass Patienten mit gewissen Erkrankungen das Tier nicht gut „handeln“ können und auch schon mal die Individualdistanz der Katze unterschreiten.

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Wer an der Ausbildung seines Stubentigers zur Therapie-Katze Interesse hat, kann sich bei Vereinen oder entsprechenden Einrichtungen, die tiergestützte Therapie anbieten, erkundigen. Viele Institute in dem Bereich meinen, dass es am besten wäre es, wenn man mit einer jungen Katze in diese Ausbildungen einsteigt, dabei wird aber leider oft auch vergessen, dass eine ältere, vielleicht schon „gesetztere“ Katze möglicherweise mehr Ruhe mitbringt, als ein kleiner Wirbelwind. Abhängig sollte man es natürlich von dem jeweiligen Besuchsklientel machen.

 

Abgeraten wird ebenso auf eigene Faust aus seiner Katze eine Therapie-Katze zu machen und mit dieser einfach in eine Schule zu fahren oder eine andere Institution zu besuchen. Nur erfahrene Personen im tiergestützten Bereich oder Tierpsychologen sollten die Katze als „fähig“ für dementsprechende Besuche einschätzen, denn sehr oft geht der Schuss ansonsten nach hinten los und der Stubentiger hat möglicherweise danach kein Vertrauen mehr zu Kindern oder Menschen.

 

Katze im Büro

 

Ein Trend, dem immer noch mit Skepsis begegnet wird, sind Tiere am Arbeitsplatz. Selbstverständlich geht es nicht in jeder beruflichen Branche Tiere im Büro zu halten, aber in unzähligen Betrieben ist es schon Gang und Gäbe, dass nicht nur Hunde am Arbeitsplatz mitgenommen werden dürfen, sondern auch Katzen.

 

Katzenhalter sollten sich allerdings wirklich sehr gut überlegen, ob sie ihren Vierbeiner an den Arbeitsplatz mitnehmen möchten – ganz abgesehen davon, ob es die Arbeitsgeber überhaupt erlauben – denn eine Katze hält sich üblicherweise am liebsten in ihrer heimischen Umgebung auf. Katzen eignen sich demnach eher weniger als richtige Bürotiere mit ständigem Ortswechsel.

 

Seelentherapeuten_4Eine Ausnahme stellt natürlich eine Katze dar, die dauerhaft und artgerecht im Bürogebäude gehalten wird, wenn sozusagen der Arbeitgeber selbst der Katzenhalter ist. Arbeitgeber, die zudem auch Katzenfreunde sind, sehen die Katze als große Bereicherung für die Belegschaft.

 

Die Arbeitswelt hat sich rasant verändert – Belastungen steigen bei Arbeitnehmern kontinuierlich an und der Zeitdruck in Firmen steigt ständig. Wie schon zuvor erwähnt, helfen Katzen bei Stress. Wenn eine Katze merkt, dass jemand Vertrauter unruhig ist, kann es häufig passieren, dass sie einfach auf den Schoß springt und Streicheleinheiten einfordert. Der dabei positiv entstehende Effekt für den Menschen: Schon die Berührung des Tieres senkt die Pulsfrequenz des Menschen und man wird sofort ruhiger. Selbst beim gemeinsamen Lachen oder Spielen mit der Katze, ja sogar beim bloßen Beobachten der Katze, werden Endorphine im menschlichen Gehirn zur Ausschüttung angeregt. Diese wiederum machen „glücklich“ und fördern den genannten Stressabbau. Folglich kann es eigentlich für jeden Arbeitgeber nur gut sein, wenn die Belegschaft einen netten Zeitgenossen um sich hat.

 

Fazit – Katzen tun der Seele gut!

 

Zusammenfassend kann also festgehalten werden, dass Katzen vor allem im Bereich des Seelenlebens, bei Stressbewältigung oder emotionalen Problemen eine positive Unterstützung bieten. Speziell in Bezug auf alltägliche Kleinigkeiten, die sog. daily hassles können diese kleinen Samtpfötchen dem Menschen helfen und das Leben bereichern. Katzen dienen als Katalysator bei der Auseinandersetzung mit einem Problem, denn von wissenschaftlicher Seite wurde bestätigt, dass Katzenhalter vermehrt aktive Verarbeitungsmechanismen und positive Mentalität entwickeln, als beispielsweise ein Nicht-Katzenhalter. Bei Problemen in der Partnerschaft, Belastungen im Beruf und Ärgernissen, die uns Menschen manchmal auf die Palme treiben, bringen sie durch ihre schnurrende, liebevolle Anwesenheit Entspannung, Freude und Entlastung in unser Seelenleben.