Kind und Katze – ein starkes Team

Veröffentlicht im Katzenmagazin OUR CATS (Ausgabe 08/15)

Katzen schaffen ein Gefühl der Gemütlichkeit, schenken Nähe und spenden wortlos Trost. Doch das nicht nur bei uns Erwachsenen. Auch Kinder profitieren vom beruhigenden Schnurren, dem Streicheln und der Anwesenheit einer Katze.

Für viele Kinder ist sie ein treuer Freund, der gut zuhören kann, ja sogar Geheimnisse für sich behält. Mit anderen Worten: Katzen sind einfach gut für die Seele!

Kinder_und_Katzen_Cover_1Allerdings ist das Leben mit Kindern und Katzen nicht immer einfach. Es gibt einige Dinge, die im Zusammenleben mit den Samtpfötchen in der Familie beachtet werden sollten.

Welche Vorbereitungen muss man treffen?

Wenn es die Katze gewöhnt ist, das einzige Baby im Haushalt zu sein, dann wird sich in wenigen Monaten ihre Welt sehr verändern. Die Ankunft eines Babys ist nämlich für jede Familie eine spannende und aufregende Zeit. Katzen allerdings mögen keine großen Veränderungen und lieben das Vertraute und Regelmäßige.

Damit Sie das potentielle Problem der Eifersucht – wobei es in Wahrheit weniger um Eifersucht geht, sondern in den meisten Fällen um Angstverhalten – von Beginn an nicht entstehen lassen, sollten Sie als Katzenhalter schon vor dem Einzug des Kindes beginnen, den Stubentiger mit positiven Maßnahmen auf den Säugling vorzubereiten. Der Einzug eines Babys wird mit Sicherheit einige Unsicherheiten bei Katzen auslösen, die noch nie mit einem Baby zusammengelebt haben.

Für Katzenhalter, deren Katze nicht kastriert ist, ist es ratsam dies schnell möglichst nachzuholen, denn unkastrierte Katzen besitzen einen stärkeren Territorialtrieb, dh. die Angst, die durch das Baby ausgelöst wird, kann vorübergehend ein Harnmarkieren bei der Katze auslösen.

Benutzen Sie selbst Öle, Cremen oder Babypuder, damit sich die Katze bereits jetzt an den Geruch der in Zukunft im Haushalt ist, gewöhnen kann.

Sollten Sie bereits so weit sein, die Wohnung mit Babymöbel einzurichten, dann lassen Sie die Katze diese inspizieren und erkunden. Beim Aufstellen können Sie auch versuchen mit der Katze zu spielen, damit Sie sich nicht aus dem Kreis des Geschehens ausgeschlossen fühlt. Sollten Sie schließlich weitere Möbel dazustellen wollen, dann setzen Sie langsame Schritte und erlauben Sie dem Stubentiger auch daran teilzuhaben, damit er sich nicht überrollt fühlt.

Falls Sie bereits ein Gitterbett oder einen Stubenwagen für das Baby haben und Sie nicht möchten, dass die Katze später, wenn das Kind auf der Welt ist, auch im Bettchen schläft, dann sollten Sie bereits hier Ihrer Katze diese Grenze zeigen. Katzen können Situationen nicht richtig lernen, wenn Sie einmal dürfen und zu einem anderen Zeitpunkt wiederum doch nicht. Falls Sie ganz auf Nummer sicher gehen möchten, dann gibt es spezielle Netze, die man extra über ein Gitterbett hängen kann, damit die Katze nicht darin schläft, wenn das Kind auf der Welt ist. Kinder_und_Katzen_1

Ein ganz wichtiger Aspekt vor dem Einzug des Babys ist es, dass Sie dafür Sorge tragen, keine bereits bestehenden Rituale mit der Katze zu vernachlässigen. Spiel- und Streicheleinheiten sollten trotz Näherrücken der Geburt weiterhin miteinander stattfinden!

Tipp: Katzen können auch Krankheiten übertragen

Da Haustiere auch Krankheiten auf Menschen übertragen können, wäre es ratsam schon vor Einzug des Säuglings dem Tierarzt einen Besuch mit dem Stubentiger abzustatten!

Der Säugling kommt nach Hause

Während des Krankenhausaufenthaltes der Mutter mit dem Kind ist es empfehlenswert, dass der Kindesvater oder ein Familienmitglied der Katze täglich ein Kleidungsstück mit dem Geruch des Babys mit nach Hause bringt. Auch hierbei geht es wiederum darum, die Katze mit dem Geruch des Babys vertraut zu machen. Zusätzlich können Sie einige Leckerchen auf den mitgebrachten Dingen verteilen, aber zwingen Sie die Katze nicht dazu, sich diese auch zu nehmen. Alles sollte aus freien Stücken geschehen.

Fast jede Mama, die zusätzlich auch eine verantwortungsvolle Katzenhalterin ist, stellt sich auch die Frage, wie sie den ersten Tag beim Einzug des Babys gestalten soll.

Ratsam ist es, wenn wirklich nur „Vater, Mutter, (Kinder) und das Baby“ am Ankunftstag zu Hause sind. Sobald Sie das Haus mit dem Baby betreten haben, sollten Sie behutsam und mit so wenig Aufregung wie möglich vorgehen.

Kinder_und_Katzen_2Die ersten Riechkontakte von der Katze zum Baby sind sehr wichtig! Das heißt: Lassen Sie es ruhig zu, dass die Katze am Neugeborenen schnuppern kann. Bestehen Sie auf keinen Fall darauf, dass das Tier auf  das Kind zugehen soll. Lassen Sie der Katze Zeit, sich an das Baby zu gewöhnen. Die ersten Riechkontakte sind enorm wichtig!

Falls sich die Katze nach diesem Kontakt dazu entschließen sollte, wegzulaufen oder sich gar zu verstecken, dann laufen Sie ihr nicht hinterher. Irgendwann wird die Mieze erneut die Nase in den Raum strecken und dann heißen Sie sie einfach in einem beruhigenden und auch gutmütigen Tonfall wieder willkommen.

Obendrein sollten Sie versuchen Ihre Katze auch an den ersten Tagen nach der Rückkehr vom Krankenhaus zum Spielen zu motivieren. Es wird der Katze dabei helfen, erkennen zu können, dass sich die Dinge um sie herum gar nicht allzu sehr verändert haben und trotzdem für sie ein halbwegs normaler Rhythmus erhalten bleibt. Wenn die Katze das Gefühl von Ihnen bekommt, dass das normale Maß an Aufmerksamkeit bestehen bleibt, wird sie auch weniger geneigt sein, das Baby als Bedrohung anzusehen. Die Position der Katze sollte aus kätzischer Sicht sichergestellt bleiben!

Sollten Sie eine Katze zu Hause haben, die sehr verschreckt und Ihrer Meinung nach zu ängstlich gegenüber dem Säugling reagiert, dann können Sie versuchen, durch Zugaben von Vitamin B oder natürlichen Nahrungsergänzungsmitteln den Stress für die Mieze zu reduzieren. Nehmen Sie Kontakt zu einem Tierarzt und/oder einem Tierpsychologen auf um professionelle Unterstützung für den Stubentiger zu erhalten.

Welche Veränderungen gibt es in der Krabbel- und Lauflernphase?

Wenn der Säugling heranwächst und beginnt „mobil zu werden“, kann es passieren dass die Katze schrittweise herausfinden wird, dass alle bisher für sie sicheren Zufluchtsorte ihr kein schützendes Gefühl mehr geben, wenn das Kind den Weg unter den Tisch oder hinter das Sofa entdeckt. Die meisten Katzen werden schließlich ihre Ruheplätze in die Höhe verlegen, weshalb es wichtig wäre, ihr das auch zu lassen bzw. wäre es ratsam Wandregale für sie zur Verfügung zu stellen.

Als Katzenhalter ist es gerade in dieser Zeit sehr wichtig bereits damit zu beginnen, dem Kind zu zeigen, wie man eine Katze richtig streichelt und vorsichtig mit einem Haustier sein sollte. Lehren Sie den richtigen Umgang mit Tieren von Beginn an!

Kinder_und_Katzen_3Laute Spielzeuge des Kindes können auf Katzen sehr erschreckend wirken, also achten Sie darauf, dass das Kind nicht zu nah an der Katze damit spielt.

Wenn das Kind anfängt zu krabbeln, sollten Sie möglicherweise sicherstellen, dass das Katzenklo außer Reichweite des Kindes ist und es auch nicht zu Futter- oder Wasserschüsseln der Katze gelangen kann. Das ist nicht nur für das Kind von Bedeutung, sondern auch die Katze benötigt das Gefühl, dass ihr Fressbereich sicher und ruhig ist bzw. sie beim Toilettengang nicht behindert oder gestört wird. Es wäre auch wichtig, es nicht zuzulassen, dass das Kind die Katze während des Fressens stört. Ebenso sollten richtige Schlafplätze der Katze für sie geschützt bleiben und beispielsweise der Kratzbaum eine „kinderfreie Zone“ sein. Wenn die Katze dort liegt oder schläft, möchte sie in Ruhe gelassen werden. Obendrein bewahrt diese Tabuzone auch das Kind vor möglichen Abstürzen oder Verletzungen.

Jetzt hört sich vermutlich alles in etwa so an, dass man Kind und Katze fortwährend getrennt halten soll – das meine ich aber keineswegs! Damit Sie das Verhältnis und die Bindung zwischen Katze und Kind fördern, können Sie Spiel- und Beschäftigungseinheiten einlegen. Lassen Sie richtige Rituale entstehen. Setzen Sie sich zum Beispiel mit dem Kind auf den Boden, wenn die Katze gerade auch anwesend ist und begeistern Sie die Mieze mit einer Spielangel oder zeigen Sie dem Kind, wie man der Katze Leckereien zuwirft oder auch aus der Hand nimmt. Jegliche Interaktion zwischen Katze und Kind sollte für beide Seiten „ein positives Band entstehen“ lassen.

Wenn das Kind älter wird und die Bewegungen konditionierter werden, dann wird es auch in den Augen der Katze weniger bedrohlich wirken. Folglich kann auch der Kontakt zwischen Kind und Katze gesteigert werden und eine richtige Freundschaft kann sich entwickeln. Auch das Bereitstellen von für Kinder geschriebenen Katzenbüchern kann dazu beitragen, Verständnis und Respekt für das eigene Haustier zu entwickeln.

Ein wichtiger Punkt, der oft in Vergessenheit gerät, ist das Verschließen der Wohnungstüre bei reinen Wohnungskatzen. Lernen Sie auch dem Kind, dass die Katze nicht ins Freie darf! Ebenso ist darauf zu achten, dass die Katze nicht „bewusst“ oder „unbewusst“ vom Kind in einen Raum oder einem Kasten gesperrt werden sollte.

Wie bereitet man sein Kind auf eine Katze vor?

Es ist durchaus nachvollziehbar, dass dem Wunsch vieler Kinder eine Katze als HaustKinder_und_Katzen_4ier zu haben, entsprochen wird. Viele Eltern entscheiden sich für junge Katzen, denn die würden sich besser an Kinder gewöhnen. Erfahrungsgemäß bietet das aber keine Sicherheit und geht häufig schief. Überdies kommt ein wichtiger Punkt hinzu – nicht jede Katze kommt mit Kindern klar! Sobald die Katzen nämlich älter geworden sind und ihre Individualdistanz entwickeln, kommt es häufig zu Problemen. Rückzug, Flucht und Pfotenhiebe gegenüber dem Kind können mehr werden. Je früher ein Kind lernt mit einer Katze respektvoll umzugehen, desto vertrauensvoller wird auch die Freundschaft zwischen den beiden sein. Die Eltern sollten mit gutem Vorbild vorangehen und dem Nachwuchs zeigen, wie man sich einer Katze annähert, sie richtig streichelt und hochhebt. Auch das Lernen von Anzeichen, die eine Katze macht, wenn sie etwas nicht mehr möchte, sollten die Basis für ein harmonisches Miteinander zwischen Kind und Katze sein.

Tipp: Falls es doch einmal zu einem Kratzer kommen sollte

Auch bei noch so vorsichtigem Umgang mit einer Katze, kann es einmal dazu kommen, dass das Kind einen Pfotenhieb mit Kratzspuren abbekommt. Bewahren Sie Ruhe und bestrafen Sie die Katze dafür nicht! Die Katze hat mit Sicherheit frühe Anzeichen vor dem Prankenhieb gezeigt, die nicht wahrgenommen wurden bzw. ist die Individualdistanz nicht eingehalten worden.