Frage und Antwort: Sind fünf Katzen zuviel?

Leserfrage zum Thema Tierpsychologie:

veröffentlicht im Katzenmagazin OUR CATS (Ausgabe 02/15)

 

Wir wohnen in der Nähe eines Bauernhofes, wo die Katzen leider nicht kastriert werden. Letztes Jahr sind uns einige Katzen, ältere und auch jüngere zugelaufen. Ich habe mit dem Tierheim Kontakt aufgenommen und konnte dort auch einige unterbringen.

Die anderen habe ich zu Hause aufgezogen und tierärztlich betreuen lassen. Damals stand die Entscheidung fest, dass sie vorübergehend zur Pflege bleiben können und danach von mir weitervermittelt werden.

Unsere gegenwärtige Situation: Mittlerweile leben bei uns 4 Kätzinnen und ein Kater. Sie schlafen alle im Haus, sind aber tagsüber draußen unterwegs. Meine Tierärztin rät mir dringend, das 16 Monate alte Katzenpärchen abzugeben. Sie befürchtet eine hohe Infektionsgefahr. Außerdem wurde mir gesagt, die Katzen würden sich – je älter sie werden – immer mehr „bekriegen“.  Ich muss dazu sagen, dass ich inzwischen alle Katzen habe kastrieren und komplett impfen lassen. Bis heute hat sich auch niemand gemeldet, der die Katzen haben möchte. Die Alternative wäre für die beiden also nur ein Platz im Tierheim.

Sind die Bedenken meiner Ratgeber berechtigt? Alle Katzen verstehen sich untereinander gut und kuscheln auch in ihren Schlafkörbchen abwechselnd miteinander. Ich möchte jedoch nichts falsch machen und vor allem den Katzen durch meinen Egoismus, weil mir die beiden sehr ans Herz gewachsen sind nicht schaden. Bislang hatte ich nur Erfahrung in der Haltung von 2 Katzen und bin somit „Mehrkatzenhaushaltsneuling“; ich hoffe deshalb, Sie können mir anhand Ihrer Erfahrung weiterhelfen und mich vor einer eventuell falschen Entscheidung bewahren.

Fünf_Katzen_zuviel_2.15_1Die Antwort gibt Nathalie Aigner:

Es passiert immer wieder, dass tierliebe Menschen unverhofft zu einigen Katzen kommen. Der Trend der heutigen Katzenhaltung geht ganz klar in Richtung Mehrkatzenhaushalt. Es gibt einige Grundregeln im Mehrkatzenhaushalt zu beachten.

Jede Katze braucht ihre eigenen Rückzugsmöglichkeiten. Vor allem, wenn Katzen älter werden, spielen ungestörte Ruheplätze eine enorme Rolle. Es sollten also genügend Zimmer im Haus zur Verfügung stehen. Wichtig wäre auch, dass jeder Katze genügend Ressourcen geboten werden, damit die Grundbedürfnisse eines jeden Tieres befriedigt werden können, wie z.B. mehrere Katzenklos!

Eine Tatsache, die Sie für Ihre Entscheidung beachten sollten, ob sich wirklich alle Katzen gut miteinander verstehen. Sehr oft passiert es nämlich, dass Menschen ihre Katzen falsch einschätzen. Die Katzen sollten vom Wesen, vom Alter, vom Spielverhalten und vom Temperament gut zueinander passen. Nur, weil sich Katzen z.B. von klein auf kennen, heißt, das nicht, dass sie auch charakterlich gut zusammenpassen. Beobachten Sie gut, ob es in der Gruppe jemanden gibt, der mit einer Mitkatze nicht so gerne Kontakt aufnimmt – das könnte Hinweise darauf geben, ob es vielleicht einmal zu Differenzen kommen wird.

Das Thema, welches Ihre Tierärztin angesprochen hat, bringt eigentlich nur das auf den Punkt, was jedem Mehrkatzenhalter klar sein sollte. In einer Gruppe kann es natürlich passieren, dass eine Katze erkrankt und so vielleicht auch Krankheiten auf andere überträgt. Wenn aber alle „typisch infektiösen Katzenkrankheiten“ ausgeschlossen wurden, spricht auch aus medizinischer Sicht nichts gegen eine Gruppenhaltung. Sie könnten sich diesbezüglich auch noch die Meinung eines zweiten Tierarztes einholen, denn natürlich lässt sich der Gesundheitszustand nur durch einen Tierarzt feststellen. 

Beim Bedenken, dass sich Katzen, wenn sie älter werden auch mehr „bekriegen“, bin ich gegenteiliger Ansicht und denke Sie sind hier mit einem typischen Klischee über Katzen konfrontiert worden. Katzen sind, mit sehr wenigen Ausnahmen, ganz und gar nicht diese Einzelgänger, wie ihnen nachgesagt wird. Im Gegenteil, sie brauchen Sozialkontakte zu anderen Katzen!

Überdenken Sie, ob Sie den Katzen bei Ihnen ein artgerechtes Leben bieten können, ob es die Wohnsituation auch die nächsten kommenden Jahre zulässt 5 Katzen zu halten, ob sich Ihr Lebensstil mit 5 Katzen verträgt und ob Sie auch die nächsten 15-20 Jahre gewährleisten können alle tierärztlich versorgen zu lassen.