Ausdrucksverhalten bei Katzen

Veröffentlicht im Katzenmagazin OUR CATS (Ausgabe 04/15)

Jeder Katzenhalter hat sich wohl schon einmal die Frage gestellt hat, was einem sein Stubentiger mit dieser oder jener Körpersprache sagen möchte. Immerhin besitzen Katzen ein sehr komplexes Ausdrucksverhalten, welches nicht nur aus einzelnen Verhaltenselementen besteht, sondern immer auch im Zusammenspiel als Ganzes betrachtet werden muss.



Cover_1_4.15Mimik

Die Körpersprache der Katze umfasst unter anderem die mimischen Ausdrucksbewegungen des Gesichts. Dazu zählen die Stellung der Ohren, die Veränderungen der Augen, der Stirn, der Nase und dem Mäulchen mit den Tasthaaren und den Wangen.

Ohren

32 Muskeln steuern die Haltung der Ohren, die sie so sehr flexibel und beweglich machen. Zum einen bezweckt diese Beweglichkeit, dass die Katze sehr gut hören kann und ganz genau einschätzen kann, wie weit z.B. eine Beute entfernt ist. Zum anderen, können gerade an der Stellung der Ohren, am leichtesten Rückschlüsse auf die momentane Stimmungslage der Katze abgelesen werden. Immerhin reagiert die Ohrmuskulatur am schnellsten auf Veränderungen der innerlichen Haltung.

Ist die Katze in einer entspannten und freundlichen Stimmung, hat sie ihre Ohren nicht ganz aufrecht, aber nach vorne gerichtet. Ein deutlicher Unterschied ist dann zu sehen, wenn die Katze Interesse am Erkunden oder am Spielen zeigt, denn hierbei hält sie ihre Ohren gespitzt nach oben. Je größer das Interesse, desto spitzer gehen die Ohren nach oben.

Sind die Ohren zur Seite gedreht und steil aufgerichtet, bedeutet das Angriffslust und Kampfbereitschaft. Im Gegensatz dazu zeigen die Ohrspitzen einer verängstigten Katze, nach hinten und nach unten. Je enger die Ohren dabei am Kopf anliegen, desto stärker das Angstempfinden. Zeigen die Ohren der Katze zur Seite, kündigt das Verteidigungsbereitschaft an. Wenn die Katze eine Möglichkeit zum Rückzug hat, dann wird sie diesen auch antreten, sollte ihr dieser aber verwehrt werden, dann wird die Katze bereit sein, sich mit ihren Mitteln zu verteidigen.

Oft kann man auch beobachten, dass eine Katze ein Ohr angelegt und das andere aufgestellt hat. Dazu kommt auch öfter ein Zucken mit den Ohren. Diese Signale sind ein Zeichen für Unsicherheit und ambivalentes Verhalten. Die Stimmung kann sich in jede Richtung entwickeln.
Körpersprache_Katze_1
Augen

Augen sind nicht nur bei uns Menschen ein Mittel der Kommunikation – auch Katzen „sprechen“ mit ihren Augen. Beispielsweise verwenden Katzen ihr „Augenzwinkern“, das Blinzeln, zur Besänftigung des Gegenübers. Sie zeigen damit ein Verhalten, welches beschwichtigend und stimmungsübertragend wirken soll. Wenn eine Katze aber wirklich einen Streit vermeiden möchte, dann wird sie ihren Kopf zur Seite drehen und wegschauen. Ist die Katze jedoch angriffslustig und möchte ihrer Überlegenheit Ausdruck verleihen, wird sie ihr Gegenüber anstarren und damit herausfordern.

Eine sehr wichtige Tatsache, die Katzenhalter wissen sollten, ist jene, wenn die Katze ihre Augen weit aufgerissen und stark vergrößerte Pupillen hat oder aber wenn sie ihre Augen krampfhaft verschlossen halten möchte: Die Katze steht vermutlich unter starkem Stress, hat Angst, zeigt Erschöpfung oder ist möglicherweise auch krank.

Tasthaare

Die Schnurr-oder Tasthaare (in der Fachsprache Vibrissen genannt), zählen nicht nur zu einem weiteren Sinnesorgan der Katze, sondern geben auch Auskunft über die gegenwärtige Stimmungslage der Vierbeiner. Durch die auffällig weiße Farbe der Tasthaare, die an der beweglichen Oberlippenmuskulatur, den sog. Schnurrhaarpolster liegen, dienen sie der Katze als optisch hervorgehobenes Verständigungsmittel.

Eine entspannte und zufriedene Katze hat ihre Vibrissen seitwärts gerichtet. Zeigen sie breitgefächert nach vorne, kann man davon ausgehen, dass die Katze Interesse zeigt, welches sich aber auch in schnelle Aktionsbereitschaft und Angriffslust überschlagen kann. Durch eng ans Gesicht angelegte und nach hinten gerichtete Tasthaare, drückt die Katze Zurückhaltung, Unsicherheit oder Ängstlichkeit aus. Auch die Wangen ziehen sich dabei nach hinten und unten. Ist sie allerdings durch diese Emotion auf einmal zur Abwehr gestimmt, bewegen sich die Tasthaare schlagartig gespreizt nach oben, wie man beispielsweise beim Fauchen sehen kann. Bei der typischen Fauch-Mimik wird zusätzlich die Stirn gerunzelt und die Nase gerümpft.

Gestik
Körpersprache_Katze_2
Damit sich eine Katze ihrer Umwelt mitteilen kann, unterstreicht sie mimische Ausdrucksbewegungen des Gesichts mit ihrer Gestik, um mit anderen zu kommunizieren.

Schwanz

In entspannter Stimmung hält die Katze ihren Schwanz gesenkt. Zuckt dabei die Spitze und duckt sich die Katze dabei, ist der Jagdtrieb geweckt. Peitschenartige Schwanzbewegungen signalisieren Gereiztheit und ein Angriff wird drohen, wenn die Distanz nicht gewahrt wird. Wird er senkrecht nach oben getragen, ist die Katze in guter Laune, möglicherweise aber auch etwas aufgeregt.

Katzenbuckel

Sträubt eine Katze das Fell, krümmt ihren Rücken nach oben und hält ihren Schwanz hakenförmig nach unten gebogen, dann möchte sie größer wirken und damit ihrem Gegner Angst einjagen. Jedoch wird dieser Drohbuckel auch gemacht, wenn sie sich in Angstsituationen befinden und unsicher sind.

Rückenlage

Oft wird angenommen, dass die Rückenlage einer Katze eine Demutsgeste sei. Davor sei aber gewarnt, denn liegt eine Katze auf den Rücken gerollt, ist sie durchaus in der Lage, effektiv ihre vier Pfoten einzusetzen.

Um die Beine streichen und Köpfchen reiben

Streichgesten mit dem Körper und dem Kopf haben vor allem den Hintergrund, der Geruchsübertragung, denn besonders am Kopf befinden sich viele Duftdrüsen.

Lautsprache

Da Katzen ein sehr reichhaltiges, vielschichtiges Lautrepertoire besitzen, ist es an dieser Stelle nicht möglich eine abschließende Aufzählung der Ausdruckslaute zu beschreiben. Dennoch seien an dieser Stelle, die typischen Lautsignale erwähnt. Immerhin spielen akustischen Signale für Katzen eine sehr große Rolle, zumal der Vorteil darin liegt, dass sie eine Verständigung ohne direkten Blickkontakt ermöglichen.

Schnurren

Ein immer noch wissenschaftlich ungeklärtes Phänomen der Katze, ist das Schnurren. Einige Wissenschaftler vermuten, dass es vom Kehlkopf ausgeht, wohingegen andere das Zungenbein oder unentdeckte Stimmbänder dafür verantwortlich machen. Es sei dahingestellt, wie Katzen überhaupt schnurren können, denn dass diese Vierbeiner schnurren, macht sie zu einem sehr beliebten Haustier. Schon Katzenbabys schnurren kurz nach der Geburt und es zeigt der Mutterkatze, dass alles in Ordnung ist. Folglich schnurren unsere Stubentiger, wenn sie sich wohlfühlen. Doch auch nicht zu vergessen: Katzen schnurren manchmal, wenn sie krank sind, Schmerzen oder Angst empfinden. Sie möchten sich selbst damit beruhigen und dem Umfeld mitteilen, dass sie friedlich eingestellt sind und keine Gefahr von ihnen ausgeht.

Fauchen
Körpersprache_Katze_3
Beim Fauchen wird die Oberlippe hochgezogen, die Zunge gewölbt und Atemluft durch das Maul scharf ausgestoßen. Auch auf naher Entfernung verspürt das Gegenüber einen Lufthauch im Gesicht. Das Fauchen der Katze ist ein Zeichen der Abwehr.

Spucken

Dieser stimmlose brisante Laut, wird oft durch das Aufschlagen der Vorderpfoten auf den Boden, ergänzt wird, weshalb dieser Laut auch einiges an körperlicher Kraft für die Katze bedeutet. Das Spucken dient meist als bloßer Scheinangriff, denn die Katze kann sich z.B. mit diesem Bluff gegenüber einer anderen Katze eine bessere Position verschaffen. Der ein oder andere Artgenosse lässt sich so auch ziemlich gut erschrecken, sodass die Katze eine bessere Möglichkeit erhält zu flüchten.

Knurren

Noch bedrohlicher wird es, wenn die Katze zu knurren beginnt. Dabei werden die Mundwinkel etwas auseinandergezogen. Öffnet die Katze dazu noch ihre Kiefer, spricht man vom stimmhaften Grollen. Hört man diese Drohlaute der Katze, sollte man eher Abstand wahren, denn die Angriffslust der Katze spitzt sich zu.

Miauen

Wie viele nicht wissen, verwenden Katzen diesen ein- bis zweisilbigen Ruf in hoher Stimmlage vor allem in Bezug auf uns Menschen. Sie miauen wenn sie ihren Wünschen oder Forderungen Ausdruck verleihen möchten. Katzen unter sich, verwenden das Miauen wenn sie jung sind, nämlich für das Auslösen mütterlicher Fürsorgehandlungen. Beispielsweise miaut ein Katzenjunges bei längerer Trennung von der Mutterkatze oder den Wurfgeschwistern.

Schnattern

Den Schnatterlaut von Katzen hört man, wenn sie etwas sehen und erbeuten möchten, die Beute aber nicht in unmittelbarer Reichweite für sie ist. Die Funktion dieses Lautes ist bis heute nicht genau bekannt. Es könnte genauso ein Laut der Bedrohung sein, wie auch ein Ausdruck von Frustration. Je nach Persönlichkeit der Katze können die keckernden Laute auch ein Ausdruck von erfahrener Ungerechtigkeit sein. Es gibt z.B. Katzen, die den Katzenhalter verärgert „anmeckern“, wenn sie unerwartet geweckt werden.

Beuteruf

Kommt die Katze erfolgreich von ihrer Jagd zurück, hört man diesen eigenen Beuteruf. Junge Katzen oder Menschen sollen schließlich auch davon erfahren, dass die Katze gerade Nahrung herbeigeschafft hat. Die Lautstärke dieses Lockrufes steigert sich mit zunehmender Größe und Gefährlichkeit der Beute.

Markierverhalten

Die olfaktorische (geruchliche) Wahrnehmung ist bekanntermaßen bei Hunden besser ausgeprägt als bei Katzen. Eine Katze setzt bei der Jagd eher untergeordnet ihren Geruchssinn ein. Bei der Beurteilung der Nahrung, spielt die Nase aber dann schon eine größere Rolle und sehr häufig wird die Riechwahrnehmung im Zusammenhang mit dem Sozialverhalten, der Partnerwahl und auch dem Territorialverhalten der Katzen, unterschätzt.

Harnmarkierungen

Sowohl männliche, als auch weibliche Tiere, unkastrierte als auch kastrierte Katzen benutzen das Harnmarkieren als Kommunikationsmittel. Es ist zu vergleichen mit einer Art „Visitenkarte“ der Katze. Durch Beifügung des Analdrüsensekretes, haben die Harnmarken nicht nur die Funktion „Personaldaten“ mitzuteilen, sondern der restlichen Katzenwelt auch Botschaften zu hinterlassen. Geschlecht, Stimmung, Hormonhaushalt uvm., kann anderen Katzen dadurch mitgeteilt werden.

Körpersprache_Katze_4Sichtmarkierungen

Eine Katze markiert allerdings nicht nur mit Harn. Viele Katzenhalter vergessen, dass das Krallenwetzen, nicht nur der Krallenpflege dient. Auch das ist Teil des Kommunikationsverhaltens unter Katzen.

Deutlich sichtbare Kratzstellen, die sog. Sichtmarken, werden von Katzen an für sie geeigneten Stellen gesetzt. Dabei nehmen Katzen eine auffällige Körperposition ein: Die Vorderpfoten werden maximal gestreckt, die Krallen werden an einer Fläche eingehackt und wiederholt zum Körper gezogen. Befindet sich gerade eine andere Katze oder beispielsweise auch der Mensch in der Nähe, dann wird oft demonstrativ Blickkontakt aufgenommen. Hierbei handelt es sich um eine Imponiergeste.

Die Kratzstellen fallen anderen Artgenossen aber auch optisch und geruchlich auf, denn das Kratzen wird durch die Freigabe von Pheromonen der Pfotenballen unterstützt. Folglich ein riechbares Signal an bevorzugten Reviergrenzen.  Dabei aber nicht zu vergessen, sind es auch die Kratzgeräusche, durch die eine kratzende Katze von anderen wahrgenommen werden kann.

Sozialverhalten

Das soziale Verhalten von Katzen wird von vielen noch immer falsch eingeschätzt, denn am Mythos, dass Katzen Einzelgänger sind, wird oft starr festgehalten. Der Grund dafür ist vermutlich, dass man Katzen in freier Natur meist für sich allein herumstreifen sieht. Das ist aber kein Wunder, denn Hauskatzen sind keine Jäger, die in einer Gruppe jagen.

Katzen sind durchaus auch gesellige Wesen, die untereinander sehr innige Bindungen entwickeln können. Gerade bei verwilderten Katzen sind häufig Gruppenbildungen zu sehen. Wenn sich mehrere Katzen zusammenschließen, spricht man nicht von einem Rudel, sondern von lockeren sozialen Verbänden.