Lehrer fürs Leben – was wir von Katzen lernen können

Veröffentlicht im Katzenmagazin OUR CATS (Ausgabe 10/15)

 

Einigen Katzenfreunden ist sicherlich das Zitat des Lyrikers Rainer Maria Rilke bekannt: „Das Leben und dazu eine Katze, das ergibt eine unglaubliche Summe!“ Doch warum lösen gerade diese Vierbeiner eine so große Faszination in uns Menschen aus?

 

Sehr früh wurde in vielen Kulturen die Besonderheit und die Kraft von Katzen entdeckt. Beispielsweise wurde die Katze bei den Ägyptern zum heiligen Tier erhoben. Die Kelten verehrten sie als Beschützer der inneren Kräfte der Menschen und in China waren und sind Katzen immer noch ein Symbol für ein langes Leben, Reichtum und Glück. Statistisch gesehen zählen Katzen heutzutage zu den beliebtesten Haustieren und auch in zahlreichen Spielfilmen, Musicals, Märchen, Erzählungen oder Comics werden einzigartige und auffällige Katzencharaktere in den Vordergrund gestellt.

 

Lehrer_Cover_1Vermutlich berühren Katzen so viele Menschen, weil sie gegensätzliche und scheinbar unvereinbare Charakterzüge in sich tragen. Einerseits genießt eine Katze absolute Unabhängigkeit und Freiheit, andererseits auch engste Verbundenheit mit einem starken Bedürfnis nach Nähe. Ebenso lebt dieses Wesen die Aufmerksamkeit bei gleichzeitig vollkommener Entspannung, Willenskraft und Konzentration mit gleichzeitiger Hingabe und Genussfähigkeit, oder auch Verspieltheit mit wechselnder Ernsthaftigkeit.

 

Diese Eigenschaften lassen Katzen für uns Menschen natürlich interessant erscheinen. Je mehr man sich schließlich mit dieser besonderen Art und Weise der Vierbeiner beschäftigt, desto mehr erschließt sich, dass wir uns doch einiges von der Spezies Katze abschauen und von ihnen fürs Leben lernen können. Zum einen beispielsweise durch die Interaktion mit ihnen, die uns jede Menge Chancen für unsere individuelle Persönlichkeitsentwicklung bietet und zum anderen durch Nachahmung.

 

Vierbeinige Freunde sind viel mehr als tierische Begleiter – sie können uns Menschen auch als Vorbild dienen. Welche Dinge Sie von Katzen lernen können, erfahren Sie hier.

 

Perfekte Entspannung!

 

Eine besondere Kunst, die Katzen bis hin zur Perfektion pflegen, ist die totale Entspannung. Sie leben uns – mit einer fast schon beneidenswerten Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit – Gelassenheit und Ruhe vor. Noch dazu kommt, dass sie das ganze ohne schlechtem Gewissen machen, denn ganz gleich wann oder wo, eine Mieze weiß einfach wie sie ihre Seele baumeln lassen kann.

 

Vielen von uns Menschen würde es ebenso sehr gut tun sich hin und wieder bewusst eine Pause vom Alltag zu gönnen, sich dem Augenblick einfach hinzugeben, sich fallen zu lassen und die Stille zu genießen. Unser Alltag wird häufig von Stress und Hektik bestimmt. Körperliche Beschwerden und seelische Unruhezustände sind die Folgen. Verspannungen rauben dem Körper Energie und eine verspannte Psyche produziert oft negative Gedanken, die uns Kraft kosten. Selbst eine geringe Erholungszeit zwischen Arbeit, Familie oder sozialen Verpflichtungen, wird häufig mit Freizeitaktivitäten verbracht. Sehr selten hingegen wird diese Zeit tatsächlich zum Entspannen und zum Ruhen in der Stille genutzt. Einige werden sich nun denken „ja, aber genau diese Aktivitäten in der Freizeit und Hobbys sind meine Entspannung und mein Ausgleich zum Berufsleben“.Lehrer_1

 

Dem muss aber nicht so sein, denn um dauerhaftes Wohlbefinden zu genießen, ist es auch nötig die richtige Balance zwischen den Aktivitäten und der Ruhe zu finden.

 

Für alle Menschen, denen es schwer fällt Nichtstun oder Stille richtig zu genießen, Alltäglichkeiten loszulassen und sich dabei von nichts und niemanden stören zu lassen, ist es empfehlenswert sich in die Nähe einer entspannten Katze zu setzen und sie einmal für längere Zeit zu beobachten. Katzen sind wahre Meister der Entspannung und dabei kann man sich so einiges von ihnen abschauen. Die Wissenschaft bestätigt sogar, dass alleine durch das Beobachten oder Liebkosen einer ruhenden Katze, der Mensch zur Ruhe findet. Mit anderen Worten – die von der Katze ausgehende Entspannung überträgt sich direkt auf den Menschen. Versuchen Sie es und finden Sie zu Ihrer inneren Ausgeglichenheit!

 

Im Hier und Jetzt leben!

 

Was wir von Katzen auch lernen können, ist die Fähigkeit im Hier und Jetzt zu leben. Eine glückliche, ausgelassene Katze spielt mit Ihnen und tut in diesem Augenblick nichts anderes, als genau das, nämlich spielen. Eine Katze, die beispielsweise auf der Lauer wegen einem Beutetier liegt, verkörpert höchste Konzentration – und zwar auf das Jetzt.

 

Lehrer_2Wir Menschen hingegen schweifen oft mit unseren Gedanken ab, machen uns Gedanken über das Morgen oder grübeln in der Vergangenheit herum. Damit soll natürlich nicht gesagt sein, dass wir nicht in die Vergangenheit zurückschauen sollen, denn aus Fehlern oder Erfahrungen kann man so allerhand lernen, aber Dinge nicht abzuschließen oder nicht hinter sich zu lassen bringt nichts. Vergangenes kann man nicht mehr ändern. Nur das Jetzt – die Gegenwart ist beeinflussbar! Kosten Sie die Momente aus und genießen Sie den Augenblick!

 

Auch mal Krallen zeigen!

 

Wenn man sich als Mensch auf eine Katze zubewegt und die Mieze aber gerade nicht in Laune ist, kann es einem passieren, dass sie faucht und auch gleich mal einen Prankenhieb austeilt. Natürlich zum Leidwesen von uns Menschen. Allerdings hat die Katze dabei nur gezeigt, dass ihre Individualdistanz unterschritten worden ist. Sie zeigt mit ihrem Verhalten eine deutliche Grenze.

 

Doch was können wir aus diesem Verhalten lernen und auf uns Menschen übertragen? Selbstverständlich soll das kein Aufruf sein, jemand anderen zu verletzen, aber jeder sollte bereit sein, eine Grenze für sich selbst zu ziehen, bevor alles zu viel wird. Sogar auf die Gefahr hin, dass einem anderen diese Grenze missfällt. Stehen Sie zu Ihrer eigenen Grenze und teilen Sie dies dem Gegenüber mit klaren Worten mit. Mehr Widerstandskraft im Alltag und auch einmal ein deutliches „Nein“ als Eigenschutz ist nie fehl am Platz! Haben Sie keine Angst jemand anderem „nicht zu gefallen“, weil Sie Ihre eigene Grenze ziehen. Katzen gefallen schließlich auch deshalb, weil sie nicht immer gefallen möchten.

 

Authentisch sein!

 

Wie jeder weiß, wird Katzen nachgesagt, dass sie unberechenbar seien, da es fast nicht abschätzbar ist, womit man bei ihnen als Nächstes rechnen muss. Im einen Moment noch eine schnurrende Miezekatze und innerhalb weniger Sekunden ein kleines kratzendes Monsterchen. Aus diesen rasant wechselnden Verhaltensweisen können wir uns als Mensch aber auch etwas abschauen, denn eines ist einer Katze gewiss: Sie verstellt sich nicht!

 

Eine Katze ist jederzeit vollkommen authentisch, zeigt ihre Gefühle, egal ob positive oder negative. Sie vermittelt einem das Gefühl, dass sie sich ihrer selbst bewusst ist und verhält sich entsprechend ihrer unterschiedlichen inneren Gefühlszustände. Sie muss keinen Schein wahren oder es einem anderen recht machen. Wir Menschen neigen aus verschiedensten Gründen oft dazu unserem Gegenüber nicht zu zeigen, wie wir uns tatsächlich fühlen und uns wirklich zumute ist. Doch warum verhalten wir uns so? Authentisch sind wir dann, wenn wir uns nach außen auch so geben, wie wir innerlich gerade wirklich fühlen. Das Problem daran ist leider, dass der Mensch dazu neigt sich anzupassen.

 

Aber schauen Sie sich Katzen an: Sie sind einfach sie selbst, tun was ihnen behagt und wir Menschen akzeptieren das.

 

Gesunder Egoismus und sich selbst wertschätzen!

 

Lehrer_3Wenn Katzen beispielsweise ihr Futter nicht mögen, stehen sie auf und gehen. Wenn sie nicht liebkost werden wollen, stehen sie ebenso auf und gehen. Möchten sie allerdings doch Streicheleinheiten erhaschen, dann hat man keine Chance zu entkommen, denn wenn sich Katzen einem richtig aufdrängen, kann der Mensch kaum widerstehen durch das Fell zu streicheln. Katzen zeigen uns ganz klar ihre Bedürfnisse oder Vorlieben. Kaum ein anderer Vierbeiner beharrt so sehr auf seinen eigenen Willen wie Katzen. Was wir bei Katzen manchmal als Sturheit und Eigensinnigkeit bezeichnen, fehlt uns Menschen oftmals, denn in der Gesellschaft ist es verpönt egoistisch zu sein. Dabei ist es durchaus von großer Bedeutung, dass wir als Mensch auch auf uns selbst und unsere Gefühle achten.

 

Wer ein erfülltes Leben möchte, muss auch einmal schauen, dass es ihm selbst zuerst gut geht. Wer immer nur nach dem „alle-anderen-zuerst“-Prinzip lebt, wird selbst in einen Zustand des Bedürfnismangels kommen und unglücklich werden und kann anderen gar nicht helfen.

 

Spielend durchs Leben!

 

Katzen haben Spaß am Spielen, wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet. Sie trainieren dabei Geschicklichkeit, Klettern oder auch das Jagen. Ja, sogar aufgestaute Energien werden durch Bewegung abgebaut. Die ausgeprägte Spielleidenschaft von Katzen kann selbst bei älteren Katzensemestern noch häufig beobachtet werden.

 

Bei uns Menschen ist es meist nicht so, denn eine gewisse Ernsthaftigkeit schleicht sich über die Jahre ein. Bewahren Sie sich Ihr „inneres Kind“ und versuchen Sie das Leben nicht als Kampf zu betrachten, sondern gehen Sie spielend durchs Leben. Tauschen Sie Ernsthaftigkeit durch Leichtigkeit aus! Pflegen Sie Humor, lachen Sie auch einmal über sich selbst und scherzen Sie mit anderen!

 

Perfektes Fokussieren auf ein Ziel!

 

Katzen auf der Jagd fokussieren ihr Beutetier der Wahl mit allen Sinnen. Bis zu 30 Minuten verharrt eine Katze fast völlig bewegungslos, wenn sie ein Zielobjekt anvisiert. Hochkonzentriert fixieren sie das Ziel und schlagen dann rasch zu. Klappt das Erfassen der Beute nicht, dann starten sie einfach den nächsten Versuch ohne darüber nachzugrübeln, wer jetzt schuld daran hat, dass die Jagd nicht geklappt hat.

 

Bei uns Menschen funktioniert das oftmals nicht so gut. Es ist für uns leicht schnell einmal ein Ziel zu formulieren, aber es dann wirklich anzugehen, es ernst zu meinen und es konkret zu verfolgen ist wiederum eine andere und schwierige Sache. Häufig erschweren wir uns das Erreichen eines Zieles auch, weil wir uns Gedanken darüber machen, was andere Menschen über uns denken, weil wir keinen konkret formulierten Plan haben oder weil wir zu viele Ziele auf einmal erreichen möchten. Ganz abgesehen von Misserfolgen – wir Menschen lassen uns schnell demotivieren und geben dadurch zu schnell auf.

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Nehmen Sie sich ein Beispiel an Katzen: Behalten Sie Ihr Ziel und die mit dem Erreichen des Zieles für Sie verbundenen Vorteile im Auge! Lassen Sie die Begeisterung für das Ziel durch Misserfolge oder Fehler nicht fallen, sondern bleiben Sie am Ball!

 

Loslassen und nicht krampfhaft festhalten!

 

Jeder weiß wohl, dass man bei einer Katze, die Angst oder Scheu vor Menschen zeigt, nicht mit Zwangsmethoden wie zum Beispiel ihr hinterherzulaufen oder sie festzuhalten etc. weiterkommt. Im Gegenteil, Geduld ist gefragt um Vertrauen zu gewinnen. Um dieses Vertrauen zu gewinnen, bedarf es eines respektvollen Umgangs. Eine stürmische besitzergreifende Art des Menschen wird die Katze ablehnen. Wer ihr jedoch die freie Wahl auf ein Kennenlernen lässt und vorsichtig abwartet, ihr die Entscheidung des Kontaktes selbst übrig lässt und auf ihre Signale eingeht, wird für das Verhalten sicherlich belohnt werden.

 

Aus dem zuvor empfohlenen Umgang mit ängstlichen Stubentigern, kann man auch einiges auf uns Menschen umlegen. Vertrauen in einer Beziehung zwischen zwei Menschen muss nämlich ebenso erst einmal wachsen. Respekt, Geduld und ein ehrlicher, authentischer Umgang miteinander sind wichtige Voraussetzungen um Vertrauen aufzubauen. Liebe und Beziehung bedeutet nicht den anderen zu besitzen oder ihn unter allen Umständen verändern zu wollen, sondern jemanden wertzuschätzen und so anzunehmen wie er ist!