Katzen Grenzen setzen

Veröffentlicht im Katzenmagazin OUR CATS (Ausgabe 11/15)

 

Um harmonisch miteinander leben zu können, müssen Regeln eingehalten werden. Das betrifft auch das Zusammenleben mit unserer Samtpfote. Aber wie viel Freiheiten sind richtig und wo müssen Grenzen gesetzt werden?

 

 

Cover_1_11.15Während nach wie vor viele Haustierbesitzer die landläufige Ansicht vertreten, dass Katzen nicht erziehbar sind, steht so manch anderer Katzenhalter zur gegenteiligen Meinung und schwört darauf, es doch geschafft zu haben. Natürlich stellt sich jetzt die Frage, was ist nun richtig? Kann man Stubentiger wirklich erziehen? Kann man einer Katze klare Grenzen setzen und ihr befehlen etwas zu unterlassen? Und wenn ja, wie? Oder ist sowieso jede Bemühung an Erziehungsstrategien im wahrsten Sinne des Wortes für die Katz´?

 

Wie weit kann man Katzen erziehen?

 

Um diese Fragen zu beantworten, sollte man sich als Mensch vorerst einmal mit der Definition des Begriffs „Erziehung“ auseinandersetzen, denn Erziehung wird üblicherweise sehr stark mit „Gehorsam“ gleichgesetzt. Gehorsam oder gar ein bedingungsloses Ausführen von Befehlen ist von Katzen jedoch tatsächlich nicht zu erwarten.

 

Der Hintergrund rührt daher, dass Katzen nicht auf die Kooperation mit anderen Katzen beim Erjagen ihrer Beutetiere angewiesen sind. Sie jagen nicht in einem „Rudel“, sondern ausschließlich alleine. Nach der genetischen Anordnung einer Katze ist eine aktive Zusammenarbeit für das Überleben in der Natur nicht wichtig. Eine gute Beobachtungsgabe, Konzentration, Geduld und eine schnelle Reaktionsfähigkeit sind die Dinge, die einen Jagderfolg herbeiführen.

 

Der Umstand, dass Katzen in diesem Sinne „nicht erziehbar“ sind, ist aber nicht mit dem Umstand gleichzusetzen, dass eine Katze „lernresistent“ ist. Katzen sind nämlich sehr wohl lernfähig.Grenzen_setzen_1_11.15

 

Einerseits lernen Katzen durch Nachahmung, andererseits durch Erfahrungen wie Erfolg oder aber auch Misserfolg. Sie reagieren auf verschiedene Signale wie beispielsweise ein Schütteln der Futterpackung. Immerhin haben sie dabei gelernt, dass es sich für sie lohnt angerannt zu kommen, da sie in den meisten der Fälle etwas Leckeres bekommen. Im Gegensatz dazu aber haben viele Katzen die Erfahrung gemacht, dass es sich nicht für sie lohnt, wenn eine Transportbox hervorgeholt wird, denn es ist möglicherweise passiert, dass sie den letzten Tierarztbesuch mit etwas Unangenehmen verbunden haben.

 

Lernfähig sind Katzen also auf jeden Fall, was folglich auch bedeutet, dass man ihnen lernen kann Grenzen zu akzeptieren. Wie man nun Grenzen bei Katzen umsetzt, erfahren Sie durch nachstehende Tipps.

 

Wann und wie Grenzen setzen?

 

Möchte man eine Katze erziehen, ist es sinnvoll diese Erziehung angemessen einzusetzen. Übertriebene Reaktionen oder strenge Bestrafungen lösen in der Katze Unsicherheiten aus, sodass man die Mieze eher verschreckt und sie Angst bekommt, anstatt sich etwas abzugewöhnen.

 

In der Regel genügt eine bestimmtes, klares und forderndes „Nein!“, um eine Katze an einer Handlung zu hindern. Die Katze wird am Tonfall erkennen, dass das Verhalten nicht erwünscht ist.

 

Wenn sie ein kleines Kätzchen zu Hause haben, welches sich an den Vorhängen hochzieht, sich mit Stromkabeln spielt oder an den Polstermöbeln kratzt, genügt ein „Nein!“. Selbstverständlich werden Sie dies öfter wiederholen müssen – aber Wiederholung prägt. Damit das Kätzchen jedoch wirklich etwas dabei lernt, dürfen sie nicht darauf vergessen, es zu loben, wenn es vom Vorhaben ablässt. Streicheleinheiten, Spieleinheiten oder Leckerlies sind ein gutes Mittel dazu. Sollte die Mieze bereits auf den Vorhang gekrabbelt sein, heben Sie sie mit einem „Nein!“ herunter. Unterstützend kann man eine Geste verwenden, wie z.B. den erhobenen Zeigefinger, denn diese Art von Verknüpfungen lernen Katzen auch schnell.

 

Ein weiterer, wenn nicht auch der wichtigste Punkt in der Erziehung von Katzen – Alternativen bieten und Lob für erwünschtes Verhalten aussprechen!

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Kratzt die Katze zum Beispiel immer wieder an der Couch, versuchen Sie das Verhalten umzulenken. Stellen Sie ihr in unmittelbarer Nähe zur Couch einen höheren Kratzbaum auf und wenn Sie daran kratzt, feiern Sie die Mieze, als ob sie Geburtstag haben würde! Sollte Sie doch an der Couch kratzen, dann heben Sie sie mit einem „Nein!“ von der Stelle weg und motivieren Sie sie für das Kratzen am Kratzbaum.

 

Katzen verstehen sehr schnell was erlaubt ist und was nicht, allerdings fällt es ihnen oft schwer Verbote zu befolgen, da sie den Sinn dahinter nicht verstehen. Sie haben keine Ahnung von menschlichen Wertvorstellungen, Recht oder Unrecht. Also vergessen Sie auf keinen Fall Geduld mit der Katze zu haben und dass sie Sie nicht absichtlich verärgern möchte.

 

Betteln am Tisch

 

Haustiere sind sehr erfinderisch, wenn es um einen Leckerbissen geht. Sie wissen auf Anhieb ganz genau, welches Familienmitglied am Nachgiebigsten ist und wie sie sich verhalten müssen, um Mahlzeiten vom Tisch gereicht zu bekommen. Mit Hartnäckigkeit, hoher Schauspielkunst und einem „Wenn ich das nicht sofort bekomme, sterbe ich“-Blick, bringen Katzen ihre Menschen regelrecht in ein Gefühlschaos.

 

In den meisten Fällen, gibt der Katzenhalter auf, denn wenn die Leckereien ausbleiben, dann legen die Stubentiger nochmal einen Zahn zu und bearbeiten das menschliche „Opfer“ auf telepathischem Wege oder notfalls auch mit kläglichem Miauen und Zudringlichkeiten. Frei nach dem Motto: Irgendwann komm ich sowieso an mein Ziel! Wenn die Katze schließlich gemerkt hat, dass der Katzenhalter ein schwächeres Durchhaltevermögen als sie selbst hat, dann wird sie auch beim nächsten Mal, wieder taktisch klug vorgehen.

 

Fraglich ist nun, wie der Katzenhalter dieses als störend empfundene Betteln am Tisch, wenn es sich wie im oben ausgeführten Szenario so eingeschlichen hat, wieder abstellen kann.

 

Bevor Sie damit beginnen, Ihrer Katze die schlechten Tischmanieren wieder abzutrainieren, müssen Sie sich darüber im Klaren sein, dass Sie mitunter auf Schwierigkeiten bei dem Vorhaben stoßen könnten – denn die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg ist nämlich Konsequenz.

 

Konsequenz bedeutet in diesem Fall, dass die Katze ab sofort nie (!) wieder etwas vom Tisch bekommen darf. Nicht mal ein kleines Stückchen, denn sonst waren alle Bemühungen umsonst, wenn die Katze manchmal etwas vom Tisch bekäme und ein anderes Mal wieder nicht.

 

Ein enorm wichtiger Faktor für das Abgewöhnen vom Betteln ist auch, dass sich alle Menschen, die Kontakt zu der Katze haben, an diese neu aufgestellte Regel halten. Ein Scheitern ist vorprogrammiert, wenn sich ein Familienmitglied, beispielsweise in Abwesenheit der anderen, um die Katze „erbarmt“ und doch ein Leckerchen vom Tisch springen lässt.Grenzen_setzen_3_11.15

 

Zusätzlich wäre es bei sehr aufdringlichen Katzen ratsam, wenn die Mieze – während die Menschen ihr Essen genießen – aus dem Raum gebracht wird. Das hört sich nun „böse“ an, allerdings empfehle ich nicht, die Katze einfach so vom Geschehen auszuschließen, sondern das Haustier mit einem Intelligenzspielzeug (Fummelbretter für Katzen), einem Baldriankissen oder einem besonderen Leckerbissen zu beschäftigen. Damit wird es der Katze leichter fallen die Zeit während der Mahlzeit auszuhalten. Nachdem der Katzenhalter dies einige Tage lang gemacht hat und sich die Mieze ruhig in dem Zimmer verhält und abgelenkt worden ist, kann man schrittweise über Tage die Türe stückchenweise weiter öffnen. Natürlich wiederum während des Essens und der Beschäftigung der Katze.

 

Sollte es während der Trainingseinheiten passieren, dass die Katze doch in die Nähe des Esstisches kommt, dann wirkt ein „Nein!“ mit anschließendem Ignorieren am besten. Wenn das nichts hilft, dann müsste die Mieze wieder das Zimmer für kurze Zeit verlassen. Lassen Sie der Katze aber eine erneute Chance, sich wieder auf sie zuzubewegen, denn möglicherweise hat sie an diesem Punkt schon etwas durch Erfahrung gelernt.

 

Springen auf Tisch und Co.

 

Wie bereits erwähnt, ist Konsequenz bei der Erziehung einer Katze unerlässlich. Wenn sie nicht auf den Esstisch oder die Küchenarbeitsplatte springen soll, dann darf ihr das nicht ein einziges Mal erlaubt werden. Dies gilt im Übrigen auch dann, wenn keine Mahlzeiten darauf stehen. Die Anrichte oder der Esstisch müssen einfach grundsätzlich eine Tabuzone sein.

 

Sollten Sie Ihren Stubentiger auf dem Tisch entdecken, dann heben (kein schubsen!) Sie die Katze vom Tisch und betonen Sie die Handlung mit einem klaren „Nein!“. Vermutlich werden Sie die Handlung öfter wiederholen müssen.

 

Ein anderer Ansatz der Katzenerziehung wäre folgender: Katzenhalter haben es leichter, wenn sie der Katze spielerisch beibringen Grenzen nicht zu überschreiten. Wenn Sie eine Katze haben, die jeden Morgen auf die Arbeitsplatte springt, können Sie versuchen die Mieze vor dem Hinaufspringen schon „abzufangen“. Das bedeutet, sobald sie bemerken, dass die Katze ansetzt und Stellung beziehen möchte, unterbrechen Sie die Katze mit einem „Bleib“. Die Katze wird sich umdrehen und verdutzt sein. Diesen Augenblick müssen Sie nutzen – und dafür haben Sie nur wenige Sekunden Zeit – um ihr mit freundlicher Stimme ein Lob auszusprechen oder ein Leckerchen zu geben, welches zuvor bereitgelegt wurde. Dieser Ablauf sollte mehrmals täglich wiederholt und trainiert werden. Unterstützend kann man auch einen Clicker zur Hand nehmen.

 

Grenzen_setzen_4_11.15Aufmerksamkeitssuchende Verhalten

 

Ein als höchst störend empfundenes Verhalten ist das aufmerksamkeitssuchende Verhalten von Katzen. Aufmerksamkeitsforderndes Verhalten entsteht, wie der Name schon sagt, durch den Wunsch nach mehr Aufmerksamkeit. Die Stubentiger setzen dafür häufig Vokalisation, wie Miauen oder auch ein richtiges Jaulen ein. Ebenso kann Kratzen unter den Begriff fallen.

 

Die Verhaltensweisen werden durch die Reaktionen der Besitzer noch mehr gefestigt und erlernt. Wenn die Katze allerdings merkt, dass ihr Verhalten nicht den gewünschten Erfolg bringt, wird sie es auch nicht weiter zeigen. Sobald allerdings der Katzenhalter in der von seiner Katze gewünschten Art reagiert, beispielsweise mit einer Fütterung, einem Spiel etc., hat die Mieze gelernt, dass sie dieses Verhalten zum Ziel bringen kann und sie hatte damit Erfolg.

 

Einige Zeit tolerieren viele Katzenhalter ein leises Miauen oder ein Kratzen problemlos und erfüllen der Mieze ihre Wünsche. Kratzt die Katze an Türen oder tritt das Vokalisieren vor allem nachts auf, möchten die Besitzer es aber so schnell wie möglich wieder unterbinden. Meist aber wieder mit einem Erfolg für die Katze, weil man als Mensch nur mehr seine Ruhe haben möchte. Natürlich verstärkt auch dies das Verhalten der Katze und die Tigerchen werden hartnäckiger im Vorgehen.

 

Das Problem geht man am besten so an, indem man das Verhalten wirklich konsequent ignoriert und zusätzlich Haltungsbedingungen optimiert.

 

Ein Ignorieren bedeutet, dass der Katzenhalter der Katze keinerlei Aufmerksamkeit zuteil werden lässt – weder positive durch Ansprechen, Streicheln, Ansehen, etc – noch negative durch Schimpfen oder gar Strafen. Dies erfordert vor allem viel Geduld auf Besitzerseite, denn dazuzusagen ist auch, dass es eine Erstverschlimmerung geben wird. Sobald die Katze nämlich merkt, dass sie mit dem gewohnten Verhalten ihr Ziel nicht erreicht, wird sie es verstärken, da es bislang immer funktioniert hat.

 

Sollte die Mieze sich sehr exzessiv in Szene setzen, dann haben sich Ohrstöpsel bewährt. Ebenso könnte ein „Überbrückungsstimulus“ hilfreiche Dienste leisten. Das heißt, dass der Katzenhalter bei dem gezeigten Verhalten der Katze, ein neutrales Geräusch z.B. mit einer Stimmgabel oder einer Handglocke macht und als Stimulus einsetzt. Sobald das Geräusch ertönt, wird jegliche Aufmerksamkeit entzogen oder auch der Raum verlassen.

 

Zusätzliche genaue Empfehlungen sind vom Einzelfall abhängig, jedoch hilft es der Katze enorm regelmäßige Spieleinheiten auf den Tag verteilt einzulegen, ihr mehr Rückzugsmöglichkeiten zu bieten, die Räume dreidimensional zu gestalten (Kratzbaum, Laufsteg, Zugang zu Regalen etc.) oder auch Intelligenzspielzeug anzubieten.

 

Auf keinen Fall sollte aber auf das Wichtigste vergessen werden: Erwünschtes Verhalten gehört bestärkt! Sobald die Katze das Kratzen oder Miauen lässt, sollte sie vermehrt beachtet werden oder auch mit Leckerchen oder Streicheleinheiten belohnt werden. Ratsam ist hierbei, dass der Halter nicht sofort nach Beenden des aufmerksamkeitssuchenden Verhaltens lobt, sondern ein klein wenig Zeit verstreichen lässt – die Katze es aber noch in unmittelbarem Zusammenhang damit bringen kann.