Fehler in der Katzenhaltung vermeiden

Veröffentlicht im Katzenmagazin OUR CATS (Ausgabe 8/14)

Katzen gelten als sehr anpassungsfähig und trotzdem kann es im Zusammenleben mit ihnen zu diversen Problemen kommen. Wer einer Katze ein Zuhause gibt, kann unbewusst so allerhand falsch machen.


Um möglichst wenig Fehler in der Katzenhaltung zu machen und um zu gewährleisten, dass sich unsere Stubentiger so richtig wohl fühlen, sollte man auch ab und zu versuchen, die Welt aus der Sicht einer Katze zu sehen.

Unerwünschte Verhaltensweisen von Katzen sind aus deren Blickwinkel oftmals der beste Weg ihren Menschen mitzuteilen, dass es in ihrem Leben an etwas fehlt. Damit es aber erst gar nicht zu Problemen mit Ihren Stubentigern kommt, möchte ich mit diesem Artikel einige häufige und typische Fehler in der Katzenhaltung aufzeigen, denn die wirkungsvollste Therapie ist immer noch die Prävention.
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Unregelmäßiger Tagesablauf

Es fällt schwer am Wochenende länger zu schlafen, wenn die Katze neben dem Bett sitzt und vehement versucht, ihren Dosenöffner wachzurütteln. Katzen legen dieses Verhalten nicht an den Tag um uns Menschen zu ärgern. Sie sind Gewohnheitstiere und haben einen sehr ausgeprägten Zeitsinn. Ein geregelter Tagesablauf und feste Fütterungszeiten geben der Katze Sicherheit.

Wiederholt höre ich von Katzenbesitzern, die bewusst versuchen die Katze zu unterschiedlichen Zeiten zu füttern oder mit ihr zu spielen, damit sie sich nicht an fixe Uhrzeiten gewöhnt und sich der Mensch dadurch nicht abhängig macht. Jedoch rate ich – besonders bei ängstlichen Katzen – dringend davon ab, absichtlich gegen einen fixen Rhythmus zu arbeiten, wodurch gerade unsichere Katzen mehr Selbstbewusstsein und Vertrauen zum Besitzer gewinnen können. Auch unruhige Katzen werden durch regelmäßige Rituale im Alltag ausgeglichener.

Das ist aber kein Aufruf sich immer ganz pünktlich und starr an eine festgelegte Uhrzeit zu halten. Meist schadet es jedoch nicht, ein ungefähres Zeitfenster im Hinterkopf zu behalten.

Fehlende Beschäftigung

Egal ob die Katze Freigang in die Natur genießt, jeden Tag in einem ausbruchssicheren Garten herumtollt oder ob sie als reine Wohnungskatze gehalten wird, eine Katze braucht Beschäftigung. Selbstverständlich haben es die „Freigänger“ unter den Katzen einfacher ihrer Jagdleidenschaft nachzugehen, als Wohnungskatzen. Doch ist es nicht völlig unüblich, dass sich selbst bei Freigängern mitunter Langeweile breit machen kann.

Als Katzenhalter sollte man der Katze die Möglichkeit geben, aufgestaute Energien abbauen zu können. Unterbeschäftigte bzw. unterforderte Katzen suchen sich nämlich oft selbst eine Beschäftigung, die in einer Zerstörungswut mündet oder in schlimmen Fällen sogar auf stereotype Verhaltensweisen hinausläuft.

Es gibt unzählige Katzen, die als Problemkatzen bezeichnet werden, nur weil der Stubentiger im täglichen Leben nicht genug Abwechslung erfährt. Unsauberkeit, Aggressionen, Unverträglichkeiten mit Artgenossen, ja sogar Angstverhalten kann durch Bewegung und geistige Beschäftigung wieder in die richtige Bahn gelenkt werden.

Clickertraining, Futterverstecke oder Intelligenzspielzeuge können selbst bewegungsfaule Stubentiger animieren. Nur 10-15 Minuten tägliche spielerische Beschäftigung (zusammen mit dem Besitzer!) kann  schon eine große Erhöhung der Lebensqualität vieler Stubentiger bedeuten!

Katzen sind Jäger! Jagdspiele können beispielsweise sehr einfach durch den Einsatz verschiedener Spielangeln nachgestellt werden. Viele Katzen lieben es, die „erlegte Beute“ herumzutragen und manche Samtpfoten sind sogar sehr apportierfreudig.



Umgang mit „Beutegeschenken“
Bei Freigängerkatzen kann es vorkommen, dass sie die erlegte Beute mit nach Hause bringen. Dieses Verhalten wird als „Beutegeschenk“ bezeichnet. Für die Katze ist das nichts Verwerfliches. Die Menschen hingegen sind darüber oft sehr empört, dass ihr süßer Stubentiger eine tote Maus oder sogar lebendige Vögel mitgebracht hat. Verjagen oder bestrafen Sie die Katze nicht für dieses Verhalten! Es handelt sich nicht um eine böswillige Tat der Katze, sondern um eine liebgemeinte Geste. Aus Katzensicht möchte Sie die Katze mit der Beute mit Nahrung versorgen. Lebendig gebrachte Beute kann sogar ein Zeichen dafür sein, dass Sie aus den Augen Ihrer Katze lernen sollten, die Beute selbst zu erlegen.

Nicht genügend Privatsphäre

Katzen sind gerne in der Nähe ihrer Menschen, aber jede Samtpfote hat auch eine gemütliche Seite und möchte sich Zeit für ein ungestörtes Nickerchen gönnen.

Oft irren Katzen missmutig umher, wenn sie keinen geeigneten Schlafspatz finden. Diese Suche kann ermüdend und belastend sein. Über kurz oder lang sorgt eine solche Situation für schlechte Laune aber auch Stress in der Katzenwelt.

Ruheplätze in Abgeschiedenheit, aber dennoch in der Nähe der Bezugspersonen dienen hier als Vorbeugung. In einem leeren Schuhkarton in einer versteckten Ecke im Zimmer oder auf der obersten Liegefläche eines deckenhohen Kratzbaumes lässt es sich für Katzen schön träumen!

Für Kinder im Haushalt sollte man die Ruheplätze der Katze zur Tabuzone erklären um deren Privatsphäre nicht zu stören, denn auch Katzen brauchen ausreichend Schlaf, um körperlich und psychisch gesund zu bleiben.

Falsche Annäherung und Interaktion mit der Katze

Irgendwo trifft man auf eine Katze, die wirklich süß und anschmiegsam aussieht. Die meisten Menschen möchten dann sofort mit der Katze in Kontakt treten und sie streicheln.

Man geht auf sie zu, streckt den Arm nach unten, sagt auch noch freundlich „Hallo – wer bist denn du?“. Doch daraufhin bewegt sich die Katze einen Meter weiter weg. Der Mensch geht der Katze, ohne weiter darüber nachzudenken, nach und versucht abermals das Fell der Katze zu erhaschen. Plötzlich flüchtet die Katze in Windeseile davon und sucht Schutz. Andere Katzen nehmen in solchen Situationen eine Abwehrhaltung ein und fauchen oder fahren die Krallen aus. Dabei wollte man die Katze doch nur ein wenig anfassen.

Es gibt viele Gründe, warum eine Katze nicht berührt werden möchte. Die Stimmungslage, das körperliche Wohlbefinden, die Dauer und Intensität des Streichelns, die Luftfeuchtigkeit und auch die Körperzone, die berührt wird, spielen eine Rolle, ob das Streicheln für die Katze angenehm ist oder nicht. Der Hauptgrund allerdings ist meist, dass sich die Katze durch zu rasche Bewegungen bedroht fühlt und die ihre Individualdistanz unterschritten wird.

Beherzigen Sie eine zurückhaltende Kontaktaufnahme, denn aus Katzensicht spricht es für Höflichkeit direkten Augenkontakt mit der Katze zu vermeiden und eher eine defensive Körperhaltung einzunehmen!

                                        Fehler_Katzenhaltung_1    Fehler_Katzenhaltung_2

Unerwünschtes Verhalten Belohnen

Mit der Einstellung seiner Katze jeden Wunsch von den Augen abzulesen, ist Vorsicht geboten! Katzen schaffen es den Katzenhalter auch gerne mal zu manipulieren. Dies tun sie jedoch nicht, weil sie die Fähigkeit dazu besitzen, sondern deshalb, weil sie aus Erfahrung lernen. Hat es ein paar Mal funktioniert, durch kräftiges Miauen Aufmerksamkeit vom Menschen zu erlangen, dann wird die Katze dieses Verhalten in Zukunft auch öfter an den Tag legen. Geben Sie darauf Acht, welche Verhaltensweisen ihres Stubentigers Sie belohnen und bestärken möchten!

Zu frühe Trennung von der Mutterkatze

Viele Menschen denken immer noch, dass ein Katzenkind im Alter von 6-8 Wochen ohne Probleme von seiner Mutter und seinen Wurfgeschwistern getrennt werden kann. Das ist ein großer Irrglaube, der sehr folgenschwer sein kann und dies nicht nur für die Katze, sondern schließlich auch für den Katzenhalter!

Eine Abgabe vor der 12. Lebenswoche ist aus vielen Gründen abzulehnen. Katzen durchlaufen in dieser Zeit eine Sozialisierungsphase, die sehr wichtig für ein Katzenkind ist. In dieser „sensiblen Phase“ lernen Katzenkinder, sozusagen „kätzisch“ von der Mutterkatze.

Katzenkinder ohne diese Erfahrungen wandeln oft Frust in Aggression um oder zeigen andere „unerwünschte Verhaltensweisen“, wie z.B. grobes oder aggressives Spielen mit Einsatz der Krallen, Unsauberkeit, Angststörungen und es fehlt oftmals die Fähigkeit mit Stress im Alltag umzugehen etc. Viele Katzenkinder, die zu früh von der Mutter getrennt wurden, zeigen außerdem körperliche Defizite. Ihnen fehlen wichtige Abwehrkräfte die vor allem durch die mütterliche Fürsorge aufgebaut werden. Es ist nicht möglich diese als Mensch zu ersetzen! 
Natürlich müssen die aufgezählten Folgen nicht bei jeder Katze auftreten, aber das Risiko, dass sie zumindest abgeschwächt zum Vorschein kommen ist immens hoch.