Eine kleine Mieze zieht ein!

Veröffentlicht im Magazin all4pets – Ausgabe 15/01

Man müsste aus Stein sein, um beim Anblick süßer, kleiner Katzenbabys ungerührt zu bleiben. Die tollpatschigen Versuche und die scheinbare Hilflosigkeit, eine für sie neue Welt zu erkunden, lassen unsere menschlichen Herzen jedes Mal wie Butter in der Sonne dahinschmelzen. Doch das alleine, qualifiziert uns noch nicht automatisch dafür, einem Kätzchen ein Zuhause zu bieten. Vielmehr sollte man sich bereits im Vorhinein bestimmte Themen ausreichend überlegt haben.

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Katzentauglich?

Fragen in Bezug auf die tägliche Versorgung, katzengerechte Haltung, Tierarztbesuche, Kosten, ob Katzen im Haus erlaubt sind oder eine Urlaubsbetreuung zur Verfügung steht, sollten geklärt sein, bevor man sich einen kleinen Stubentiger ins Haus holt. Daneben sollte man sich auch gewissenhaft überlegen, ob der Wunsch, eine Katze um sich zu haben, auch die nächsten Jahre eine schöne Bereicherung bleiben wird. Immerhin werden Katzen im Durchschnitt 15-20 Jahre alt.

Ebenso wichtig ist es, dass alle Familienmitglieder mit dem kleinen Mitbewohner einverstanden sind und niemand an einer Katzenallergie leidet. Wenn Kinder im Haushalt leben, sollten diese auch schon in der Lage sein, zu verstehen, dass Katzen keine Stofftiere zum Spielen sind. Zum Beispiel ist ein Kind im Vorschulalter, motorisch auch schon so ausgereift, dass es unter Anleitung der Eltern den sanften und artgerechten Umgang mit der Katze erlernen kann. Ebenfalls unter Aufsicht der Eltern kann es schon ein wenig bei der Versorgung der Katze mithelfen und beispielweise den Futternapf neu füllen. Aber natürlich sollten Eltern darauf Bedacht nehmen, Kindern die Katzensprache und deren unterschiedliche Ausdrucksformen näherzubringen. Auch Erklärungen, dass das Tier individuelle Grenzen hat, die nicht überschritten werden dürfen, sollten selbstverständlich sein.

Die Tatsache, dass man Katzen nicht mit ausgiebig langen Spaziergängen auslasten muss, spricht oft für die Wahl dieses durchwegs beliebten Haustieres. Doch besonders hier sei erwähnt, dass Katzen nicht nur Streicheleinheiten brauchen, sondern auch ausreichend ihnen gewidmete Zeit. Vor allem, reinen Wohnungskatzen und speziell auch jungen Miezen sollte ein abwechslungsreiches Beschäftigungsprogramm geboten werden, da die Stubentiger sonst schnell Flausen im Kopf haben.

Die Qual der Wahl

Sobald die Entscheidung einer Katze ein Zuhause zu schenken feststeht, beginnt auch schon die Qual der Wahl. Kleines Rassekätzchen vom Züchter? „Normale“ Hauskatze? Oder vielleicht doch ein Kitten aus dem Tierheim?

Je nach Rassestandard unterscheiden sich die Vierbeiner entsprechend ihrer Optik und den verschiedenen Charakterzügen. Eine Maine Coon wird zum Beispiel, als der sanfte Riese unter den Katzencharakteren dargestellt. Die Britisch-Kurzhaar-Katze sei mit ihrer unaufdringlichen Art, ein besonders ausgeglichener Gefährte im Gegensatz zu den Plaudertaschen und extrovertierten, lebhaften Katzen, den Orientalen. Für viele Katzenfans kommt aber nur der „beste Jäger“ unter den Katzen in Frage, die Hauskatze.

Es gibt unzählige Rassebeschreibungen, wobei diese sehr mit Vorsicht zu genießen sind, denn nicht jede dieser Beschreibungen muss auf die individuelle Katze zutreffen. Schließlich spielen bei der Persönlichkeitsentwicklung einer Katze, auch Aufzucht, Haltung und Erfahrungen eine enorme Rolle.

Für jeden Geschmack mag wohl eine andere Rasse ansprechend wirken, dennoch sollten Sie sich letzten Endes nicht für eine Katze entscheiden, die Sie optisch besonders sympathisch finden, sondern deren Wesen zu Ihnen, Ihrer Familie und Ihrem Umfeld passt.

Auch ein Kitten aus dem Tierheim oder einem Tierschutzverein in Ihre Überlegungen einzubinden, sollten Sie in Betracht ziehen, denn auch diese kleinen Geschöpfe hätten gerne eine eigene Familie!

Augen auf beim Kittenkauf!

Kleine_Mieze_zieht_ein_1Kleinanzeigenmärkte im Internet sind ein beliebter Platz für Anbieter sog. Billig(rasse)kätzchen. Während seriöse Züchter für ihre Kitten 500€ aufwärts verlangen, findet man im Internet zahlreiche „Hobbyzüchter“, die einen weitaus günstigeren Betrag für Kitten verlangen. Ein engagierter Züchter verlangt nicht umsonst einen höheren Betrag, sondern legt auf die Aufzucht gesunder Kitten großen Wert. Nicht selten geht der Schuss bei Billigkatzen aus dem Internet nach hinten los und plötzlich sieht man sich mit viel höheren Tierarztkosten, als geplant, konfrontiert.Darüber hinaus, vermitteln seriöse Züchter ihre Tiere erst ab einem Alter von 12 Wochen. Sehr jung vermittelte Katzen zeigen oft Defizite  im Umgang mit anderen Katzen und neigen tendenziell eher zu unerwünschten Verhaltensweisen (wie z.B. Unsauberkeit, Angststörungen, usw.) als Kitten, die ausreichend Zeit mit der Mutterkatze und den Wurfgeschwistern verbracht haben.

Wohnungs- oder Freilaufkatze?

Neben reiner Wohnungshaltung und kontrolliertem bzw. gesichertem Freigang gibt es auch noch die Möglichkeit, dass die Katze selbst entscheidet, wann sie im Haus oder draußen sein will.

Wer seiner Katze Freigang bieten möchte, sollte neben den Gefahren im Freien, aber auch bedenken, dass es in Österreich eine gesetzlich geregelte Kastrationspflicht gibt, d.h. die Katze muss zuvor natürlich alle notwendigen Impfungen haben und kastriert werden, bevor sie ins Freie geht.

Einzelhaltung- oder Mehrkatzenhaltung, was sind die Bedürfnisse?

Beim Entschluss eine Katze zu sich zu holen, sollte bedacht werden, dass die Aussage „Katzen sind Einzelgänger“ ein typisch veralteter Mythos ist. Katzen sind Einzeljäger, aber keine Einzelgänger. Der Kontakt zu Artgenossen ist ein Grundbedürfnis jeder Katze und besonders bei jungen Katzen spielt es eine sehr wichtige Rolle, sich im Sozialverhalten mit anderen Katzen zu üben. Nichts geht über einen Artgenossen, vor allem wenn Frauchen und Herrchen den ganzen Tag arbeiten müssen. Besser ist es also, kleinen Miezen gleich im Doppelpack ein Zuhause zu bieten. Auch andere Haustiere, wie z.B. Hunde sind kein passender Katzenpartner-Ersatz.

Ebenso wichtig zu erwähnen ist, dass eine  junge Katze nicht zu einer oder mehreren erwachsenen Katzen kommen sollte. Meist sind Probleme vorprogrammiert, denn Katzen mit z.B. 7 Jahren sind schon etwas gesetzter und kommen mit einem Kitten voller Übermut und Tatendrang eher weniger klar.

Vorbeugung von typischen Anfängerproblemen

Damit es in der ersten Zeit nicht gleich mal zu Problemen mit der kleinen Mieze kommt, sollte Folgendes bedacht werden: Eine katzengerechte Haltung beinhaltet neben mehreren Trinkmöglichkeiten einen fixen Futterplatz, mehrere Schlaf- und Liegeplätze, erhöhte Aussichtplätze, viele Kratzmöglichkeiten und mindestens eine Katzentoilette, v.a. wenn mehrere Katzen im Haushalt leben.Katzen trennen gerne ihre Geschäfte und bevorzugen mehrere Möglichkeiten zum Urin- und Kotabsatz. Besonders jungen Katzen passiert öfter ein Malheur, denn auch Stubenreinheit will gelernt sein. Setzen Sie die Mieze mehrmals am Tag in die Katzentoilette (mit Klumpstreu gefüllt) und loben Sie sie jedes Mal in einem liebevollen Tonfall.

Zum Schluss wäre hier auch noch die Tatsache zu erwähnen, dass es manche Katzenhalter extrem niedlich finden, wenn ein Babykätzchen in menschliche Hände beißt und kratzt. Allerdings lässt dieses Amüsieren darüber meistens nach, wenn man merkt, dass die Katze zu einer richtigen Kratzbürste geworden ist. Darum sei davor gewarnt, mit einem Kitten ständig mit der Hand zu spielen, denn so trainiert man der Katze diese, in menschlichen Augen oft als „aggressiv“ gesehene Verhalten regelrecht an. Nehmen Sie lieber passendes Katzenspielzeug, statt Ihre Hände!

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Webtipp:


Buchtipps:

  • Katzen-Clicker-Box: Plus Clicker für sofortigen Spielspaß
    Birgit Rödder, GRÄFE UND UNZER Verlag

  • Das Kosmos Handbuch KATZEN
    Renate Jones, Gabriele Metz, Marc Heppner, Kosmos Verlag

  • Katzenkinder
    Bettina von Stockfleth, Kosmos Verlag

  • Katzenzusammenführungen mit Herz und Verstand
    Christine Hauschild, BoD Books on Demand