Ein Kätzchen kommt ins Haus

Veröffentlicht im Katzenmagazin OUR CATS (Ausgabe 06/15)

Nachdem der wohlüberlegte Entschluss feststeht, das Leben mit einem Kätzchen teilen zu wollen, gibt es die Frage zu klären, wo es die Traumkatze überhaupt gibt.

Welches Kätzchen soll es sein?


Neben Rassekatzen von Züchtern oder Kätzchen von Privatpersonen sollte man insbesondere auch junge Stubentiger aus dem Tierheim oder einem Tierschutzverein in die Überlegungen einbinden. Oftmals passiert es einem aber auch, dass man unvorhergesehener Weise zu einem Findelkätzchen kommt.
Egal ob man sich nun für eine Haus- oder Rassekatze entscheidet, alle haben die gleichen „kätzischen“ Bedürfnisse haben und alle haben eine liebevolle, aber vor allem auch artgerechte Haltung verdient. Vor allem bei reiner Wohnungshaltung stellt der Kontakt zu Artgenossen eine wichtige Rolle dar. Katzen sind grundsätzlich sehr soziale Lebewesen, die durch sozialen Kontakt (Kuscheln, gegenseitiges Putzen, Spielen, Interaktionen usw.) zu einem glücklicheren Stubentiger werden. Wenn Sie Ihrem Kätzchen also  Gutes tun möchten, besorgen Sie ihm einen Spielgenossen, denn kein Mensch und auch kein anderes Haustier, wie z.B. Hunde, können diesen Gefährten ersetzen und dem für die geistige und körperliche Entwicklung eines jungen Kittens so wichtigen „Spielbegehren“ wirklich gerecht werden.

Kätzchen_zieht_ein_CoverDarüber hinaus, sollten Sie auf das ideale Abgabealter bei Katzen Acht geben, denn sehr jung vermittelte Katzen unter einem Alter von 12 Wochen, zeigen oft Defizite im Umgang mit anderen Katzen und neigen tendenziell eher zu unerwünschten Verhaltensweisen (wie z.B. Unsauberkeit, Angststörungen, usw.) als Kitten, die ausreichend Zeit mit der Mutterkatze und den Wurfgeschwistern verbracht haben.

Wie sieht die Grundausstattung aus?

Im Folgenden eine kleine Liste an Katzenzubehör, welches parat stehen sollte, bevor der Stubentiger eintrifft.

FUTTERNAPF

Zur wichtigsten Grundausstattung zählt natürlich ein Futternapf. Futterschälchen werden in verschiedenen Größen, Formen und den Materialien Metall, Plastik, Melamin, Glas oder Keramik angeboten. Welchen Napf man letztlich wählt, entscheidet der Geschmack des Katzenhalters. Allerdings ist es insbesondere für Katzen mit runder Schädelform, sprich eher flachem Schnäuzchen (z.B. Perser, Selkirk Rex, BKH usw.) einfacher das Futter aus flachen Schalen aufzunehmen, als aus tiefen Näpfen. Zusätzlich sollte der Napf auch etwas Gewicht und eine solide Grundfläche haben, damit er nicht so leicht umgeworfen wird. Überdies hat sich auch eine Futterplatzunterlage, die viel Zeit bei der Reinigung erspart, wenn die Katze etwas daneben patzt, bewährt.

Daneben sollten Sie sich mit Katzenfutter für die kommenden Tage ausrüsten. Empfehlenswert ist auch, dem Kätzchen in der Anfangszeit Futter, welches es bereits kennt und gewöhnt ist, weiterzugeben um mögliche Verdauungsschwierigkeiten durch neue Futtersorten zu vermeiden.

Wenn Sie danach auf eine Futtermarke Ihrer Wahl umstellen möchten, sollten Sie behutsam vorgehen und dem gewohnten Futter in kleinen Schritten immer mehr vom neuen beimengen, z.B. jeden Tag ein kleines Löffelchen mehr vom neuen und weniger vom alten füttern.
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WASSERNAPF

Katzen neigen häufig dazu, nicht viel Wasser zu trinken. Um dem sparsamen Trinkverhalten entgegen zu wirken, sollte man der Katze erstens mehrere Trinkstellen im Haushalt anbieten und zweitens Wasser- und Futternapf voneinander getrennt halten, was bedeutet, dass der Abstand zwischen den Näpfen einige Meter sein sollte. Immerhin sind Wasser- und Futterquelle in freier Natur auch nicht an derselben Stelle. Auch ein im Handel erhältlicher Trinkbrunnen, speziell für Haustiere, kann eine Katze zu erhöhter Wasseraufnahme animieren.

KRATZSTELLEN

Häufig wird Katzenhaltern von einem Kratzbaum abgeraten, da es viele Katzen gäbe, die diesen sowieso nicht gerne benutzen würden. Diese Meinung rührt daher, dass meistens ein zu kleiner, in den Augen einer Katze unattraktiver Kratzbaum gekauft wird. Bewährt haben sich „deckenhohe“, stabile Kratzbäume mit Liegeflächen, die vor allem erhöhte Aussichtsplätze bieten. Damit sich die Katze beim Kratzen mit dem Körper richtig ausstrecken kann, sollte ein Sisalstamm mindestens 80 cm lang sein – bei größeren Katzenrassen noch länger.  Neben einem Kratzbaum stellen Wandkratzbretter, einzelne Sisalsäulen oder Kratztonnen eine Katzenhaltung im Sinne von „noch artgerechter“ dar. Überdies werden es ihre Möbel danken, wenn es genug Kratzalternativen für die Katze gibt, damit sich diese nicht an den ungebetenen Stellen „verkratzt“.

VERSCHIEDENE SCHLAF- UND LIEGEPLÄTZE, ERHÖHTE AUSSICHTSPLÄTZE
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Optik und Form der „Katzenbettchen“ obliegt natürlich jedem Katzenhalter selbst bzw. lernen die meisten Katzenhalter die Vorzüge der individuellen Katze schnell kennen. Es sei aber erwähnt, dass Katzen es bevorzugen, in der Höhe zu schlafen. Ein Schlummerplatz mit der Möglichkeit alles im Blickfeld zu haben, wird eben sehr geschätzt. Auch ein Platz auf dem Fensterbrett oder eine Hängeliegemulde am Heizkörper sind durchaus beliebt. Nicht zu vergessen – “Catwalks“ an den Wänden – Wandregale, die extra der Katze zur Verfügung gestellt werden, um darauf ein Nickerchen zu machen oder darauf herumzuturnen.

KATZENTOILETTEN

Das Thema „stilles Örtchen für Katzen“ könnte für sich allein schon mehrere Seiten umfassen, denn es gibt unzählige Varianten an Katzenklos und Streusorten zu kaufen. Um das Katzenklo von Beginn an attraktiv zu machen und um mögliche Anfängerfehler, die zu Unsauberkeit führen können, zu vermeiden, sollte folgendes beachtet werden: Aus Katzensicht ist die ideale Katzentoilette offen (ohne Haube!), mit bequemen Einstieg und geräumiger Größe. Darin sollte sich feinkörniges, staubarmes Klumpstreu befinden. Da Katzen gerne ihre Geschäfte trennen und mehrere Möglichkeiten zum Harn- und Kotabsatz verwenden, sollte einer Katze mehr als nur eine Katzentoilette zur Verfügung stehen. Mit einem Katzentoilettenvorleger bzw. einem Teppich/Matte vor dem Klo können Sie verhindern, dass die Katze Streu in die restliche Wohnung verschleppt.

KATZENSPIELZEUG

Neben einer obligatorischen Auswahl an Bällen, Spielzeugmäuschen, sind „Spielangeln“ mit Bommeln oder knisternden Fransen hoch im Kurs. Auch hier sind der Auswahl keine Grenzen gesetzt.

→ Kamm oder Bürste (vor allem bei Lang- und Halblanghaarkatzen) –
Transportbox für Tierarztbesuche

Kätzchen_zieht_ein_3Was muss man in den ersten Tagen beachten?

Der ereignisreiche Tag ist endlich gekommen – das Kätzchen zieht ein. Wie sich der Einzug ins neue Zuhause gestaltet, hängt in erster Linie einmal davon ab, ob dort bereits Katzen leben oder nicht.

Sollte das Kitten in einen „katzenlosen“ Haushalt kommen, stellen Sie die Transportbox am besten in Sichtweite der Katzenklos auf den Boden. Öffnen Sie die Box und warten Sie einfach ab, wie sich das neue Familienmitglied verhält. Wichtig ist, die Katze nach dem Öffnen des Transporters ganz in Ruhe zu lassen. Egal, ob Sie sich eine kleine selbstsichere Katze, die sich gleich mutig auf Erkundungstour begibt, ausgesucht haben oder ob es sich um ein schüchternes Kätzchen handelt, das sich lieber noch im Transporter verkriechen möchte. Die Katze sollte selbst entscheiden können, wann sie sich sicher genug fühlt, die neue und für sie fremd riechende Umgebung zu entdecken. Erzwingen lässt sich ein wohliges Gefühl im neuen Zuhause nicht, aber mit Geduld und Verständnis kann es auf einmal Schlag auf Schlag gehen, sodass Sie überrascht sein könnten, weil sich der Stubentiger so verhält, als wäre er noch nie woanders gewesen.

Kommt das Kätzchen in einen Haushalt, wo bereits andere Artgenossen leben, gibt es mehrere Varianten, die Katzen aneinander heranzuführen. Wie man die erste Begegnung unter den Katzen gestaltet, hängt von der individuellen Gruppenkonstellation, dem Alter und den Charakteren der Katzen ab. Die verschiedenen Wege einer Zusammenführung würden ein eigenes Buch füllen, weshalb ich hier nur die Situation „junges soziales Kätzchen kommt zu anderem sozialem Kitten“ erwähnen möchte, denn diese ist meist, die unkomplizierteste. In der Regel können die beiden vollkommen problemlos vergesellschaftet werden. In den ersten Tagen kann es sein, dass sich die Kleinen etwas suspekt erscheinen und dies mit gelegentlichem Fauchen und unsicherem Verhalten zeigen, doch meist gibt sich das schnell und braucht wie in so vielen Lebenssituationen Geduld und Zeit.

Welche Gesundheitsmaßnahmen sind erforderlich?

Neben einer gesunden, ausreichenden und ausgewogenen Ernährung sollten Sie darum bemüht sein, an einen regelmäßigen „Gesundheitscheck“ beim Tierarzt zu denken.

Kommt ein Kätzchen ins neue Zuhause, sollte dieser zeitig auch gleich mal aufgesucht werden. Leben schon Tiere, insbesondere andere Katzen im Haushalt, ist es von Vorteil, schon vorher den Tierarztbesuch vorzunehmen, um den bestehenden Tierbestand vor etwaigen übertragbaren Krankheiten zu schützen.

Überdies wird Sie der Tierarzt über mögliche Infektionskrankheiten, ungebetene Gäste, wie beispielsweise Parasiten und auch über nötige Impfungen und Kennzeichnungen des Tieres aufklären. Daneben sollten Sie das Thema „Kastration“ mit ihm besprechen, denn nach wenigen Monaten wird sich die Entwicklung der Geschlechtsreife beim Katzenkind bemerkbar machen.

Was muss das Kitten lernen?

Viele Katzenhalter meinen, eine Katze zu erziehen sei ein Ding der Unmöglichkeit – doch Katzen können sehr wohl lernen etwas zu tunKätzchen_zieht_ein_4 oder etwas zu unterlassen. Allerdings setzt Katzenerziehung viel Einfühlungsvermögen, Geduld und Ruhe, aber vor allem auch Konsequenz voraus.

Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Wenn Sie möchten, dass der Stubentiger nicht auf den Tisch springt, wenn Essen darauf steht, dann müssen Sie den Sprung auf den Tisch immer verbieten. Das bedeutet, auch wenn der Tisch nicht gedeckt ist, sollte der Sprung nicht geduldet werden. Erwischen Sie die Katze auf dem Tisch, sollten Sie es mit einem wohlwollenden, aber klarem „Nein“ vom Tisch heben und auf den Boden setzen. Optional haben Sie auch die Möglichkeit die Katze langsam vom Tisch zu schieben und während die Katze runterspringt, das Verhalten beispielsweise mit dem Wort „runter“ zu belegen.

Belohnen Sie hingegen erwünschte Verhaltensweisen! Katzen lernen meist durch Erfahrung. Diesen simplen Lernmechanismus, können Sie zu Ihrem „Nutzen“ ausbauen. Angenehme Erfahrungen werden im Gedächtnis der Katze abgespeichert, weshalb sie beispielsweise Ihren Liebling mit Leckerlies oder mit Streicheleinheiten belohnen sollten, wenn er sich an eine bestimmte „Regel“ im Haushalt hält. Unerwünschte Verhaltensweisen sollten allerdings nie einen positiven Effekt nach sich ziehen. Auch die bloße Aufmerksamkeit des Katzenhalters könnte ein verstärkendes Kriterium und vielleicht Grund genug für eine Katze sein, das Verhalten zu wiederholen.