Ataxie bei Katzen – ein Leben auf wackeligen Beinen

Veröffentlicht im Katzenmagazin OUR CATS (Ausgabe 04/15)

In der Medizin versteht man unter dem Begriff Ataxie (griech.: Unordnung), verschiedene Störungen der Bewegungskoordination. Nicht nur der Mensch kann davon betroffen sein, sondern auch unsere Stubentiger können Ataxien zeigen. Die medizin. Definition lässt nun glauben, dass es sich um eine Grunderkrankung handelt, doch dem ist nicht so:  Eine Ataxie ist ein Symptom, welches unterschiedlichen Erkrankungen zu Grunde liegen kann.


Symptome & Ursachen

Ein auffallend breiter, steif wirkender, torkeliger Gang ist den liebevoll genannten „Wackelkatzen“ eigen. Doch auch Augen- und Kopfzittern, Schiefhaltung des Kopfes, Wahrnehmungs- oder Bewusstseinsstörungen bis hin zu Lähmungen können in Erscheinung treten. Bei einigen Katzen ist die Bewegungsmotorik so betroffen, dass sie seitlich wegkippen oder nach vorne oder hinten absacken.

Die Ursachen dieser gestörten Bewegungsabläufe sind zahlreich und werden beispielsweise durch Schädigungen des zentralen Nervensystems, nämlich Schäden am Kleinhirn (Cerebelläre Ataxie) oder am Rückenmark ausgelöst (Sensible Ataxie). Von einer vestibulären Ataxie spricht man, wenn es zu Beeinträchtigungen des Gleichgewichtsorgans gekommen ist. Häufig leiden Katzen aber auch nach Unfällen, Verletzungen, Vergiftungen, Mangelerscheinungen, Stoffwechselproblemen, oder (vorübergehenden) viralen Infekten an Ataxien.

Die cerebelläre Ataxie kommt jedoch bei betroffenen Katzen am häufigsten vor, denn in vielen Fällen kommt die Katzenmutter während der Trächtigkeit mit FPV (Feline Parvovirus, Katzenseuche) in Kontakt. Folglich gibt es Kitten, die im Mutterleib mit FPV infiziert wurden. Überleben die Kleinen, bleiben gegebenenfalls Schädigungen am Kleinhirn zurück. Wenn die Kitten dann schließlich im Alter von 2-3 Wochen zu laufen beginnen, bemerkt man die Auswirkungen der Infektion.

Diagnose & Prognose

Ataxie_KatzeSo verschieden die Bewegungsmuster bei Ataxien auch sein können, so unterschiedlich ist die Herangehensweise der Diagnostizierung. Ein erfahrener Tierarzt wird jedoch an der Art der Symptome den Ort des Schädigungsbereichs und damit die Ursache im Körper gut lokalisieren können. Dies ist natürlich für weitere Therapiemöglichkeiten wesentlich, wobei man leider erwähnen muss, dass Ataxien auch unheilbar schwere Ursachen haben können. Dies heißt jedoch nicht, dass Katzen mit Ataxien eingeschläfert werden müssen, denn trotz Handicap können sie bei artgerechter Haltung genauso ein langes und vor allem schönes Leben führen, wie jede andere Katze auch. Wenn sich die Bewegungsstörungen bereits im Kittenalter zeigen, dann wachsen die betroffenen Tiere ganz selbstverständlich mit den Koordinationsstörungen auf. Doch auch bei einer gestörten Bewegungsmotorik, die durch einen Unfall entstand, kann sich die Katze mit dem Handicap gut arrangieren und hat ein lebenswertes und frohes Leben vor sich.

Haltung

Welche Besonderheiten es im Alltag bei den „Wackelkatzen“ zu beachten gibt, hängt natürlich in erster Linie von der individuell betroffenen Katze ab, denn die Auffälligkeiten des Gangbildes können wie bereits erwähnt sehr unterschiedlich sein.

Damit eine Ataxiekatze möglichst risikolos leben kann, sollte man insbesondere folgendes beachten:

Erhöhtes Unfallrisiko im Freien – kein ungesicherter Freigang!
Für Ataxisten lauert so einiges mehr an Gefahr im Freien, als für nicht gehandicappte Katzen. z.B. leichtere Beute durch unkoordinierten und dadurch oft langsameren Gang; Nachteil bei Revierkämpfen, etc.

Achtsamkeit beim Angebot der Klettermöglichkeiten!
Eine „Wackelkatze“ kann ihre Balance schwerer halten, wodurch sich nicht zu hohe Kratzbäume und geringere Abstände zwischen einzelnen Sprungflächen besser eignen. Bei stärker ausgeprägten Bewegungsstörungen, ist eine „Absturz-Sicherung“ z.B. durch Polster oder Teppiche unumgänglich.

Katzenklo-Management überdenken!
Niedrige Einstiegsmöglichkeiten und/oder hohe Seitenränder der Katzentoilette können Ataxiekatzen beim Klogang unterstützen.

Erhöhte Futternäpfe können hilfreich sein!
Beim Fressen oder Trinken haben einige Ataxisten Probleme ihren Kopf tiefer zu neigen, weshalb ein erhöhter Futter-/Trinknapf für sie besser geeignet ist.


Für viele Katzenhalter stellt sich zudem die Frage, ob sie ihrer „Wackelkatze“ auch anderweitig helfen können. Eindeutig ja, denn neben der Tatsache, dass vor allem Wohnungskatzen grundsätzlich nicht ohne Katzengesellschaft gehalten werden sollten, profitieren speziell Ataxiekatzen von Partnerkatzen. Sie blühen wahrhaftig auf und können sich zudem auch einiges von Artgenossen abschauen. Ebenso dienen gezielte Konzentrations- und Geschicklichkeitsspiele oder Balanceübungen auf verschiedenen Bodenstrukturen der Gesunderhaltung des Körpers und stärken die Muskulatur. Übungen mit geeigneten „Mäntelchen“, die den Bauch umschließen oder Bandagen aus dem TTouch Bereich können auch Halt geben und den Gang stabilisieren, wenn die Katze sich damit wohlfühlt.