Alarm – mir geht es schlecht! Wenn es der Katze nicht gut geht…

Veröffentlicht im Katzenmagazin OUR CATS (Ausgabe 01/15)

Die meisten Katzenbesitzer sind schon einmal vor der Entscheidung gestanden, ob der Zustand der Katze einen Tierarztbesuch wirklich notwendig macht oder ob man besser noch abwarten und das Verhalten der Katze weiterhin beobachten sollte. Schließlich möchte man dem Tier nicht unnötigen Stress beim Tierarztbesuch zumuten, nur weil man sich nicht sicher ist, ob es der Katze wirklich schlecht geht und somit Handlungsbedarf besteht.

Cover_1_OurCats_1.15Es ist nicht immer einfach den gesundheitlichen Zustand einer Katze einzuschätzen, denn Katzen sind wahre Meister, wenn es um das Verbergen von Schmerzen und Krankheitssymptomen geht.

Der Hintergrund, warum unsere domestizierten Stubentiger in der Lage sind Erkrankungen geschickt zu kaschieren, liegt darin, dass sie sich ein gewisses Maß vom Erbe der Wildtiere bewahrt haben.  In der Natur bedeutet Schwäche und Krankheit der Tiere ein Leichtes für Feinde und oft auch den Tod. Erkrankte Tiere ziehen sich zurück und leiden im Stummen, bevor ihnen Feinde auf die Schliche kommen. Genauso verhalten sich auch Hauskatzen. Das sollte man als Katzenbesitzer bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes der Katze immer im Hinterkopf behalten. Was in freier Natur von Nützlichkeit ist bedeutet für uns Katzenbesitzer aber oftmals Rätsel raten ohne dabei sicher gehen zu können wie es nun wirklich um den Zustand des Tieres bestellt ist.   

Welche Alarmsignale gibt es

Wenn man sich als Katzenbesitzer nicht ganz sicher ist, ob es der Katze gut geht, gibt es im Nachfolgenden ein paar Tipps die Ihnen Ihre Beobachtungen erleichtern können. Da es wie bereits erwähnt oft schwierig ist, den Gesundheitszustand einer Katze einzuschätzen, ist es für Katzenhalter sehr wichtig bestimmte Anzeichen im Auge zu behalten. An dieser Stelle möchte ich aber noch einmal gesondert darauf hinweisen, dass es bei Unklarheiten immer ratsam ist, einen Tierarzt aufzusuchen. Handelt es sich nicht um einen dringenden Notfall, ist es eine gute Alternative sich mit dem behandelnden Tierarzt telefonisch in Verbindung zu setzen und mit diesem das weitere Vorgehen zu besprechen.

Welche körperlichen Anzeichen gibt es

Die Gesundheit einer Katze spiegelt sich häufig in ihrem äußeren Erscheinungsbild wider. Das Fell einer kranken Katze kann stumpf wirken, die Haut kann schuppig oder fettig sein, Augen können tränen, Nase oder After können Verkrustungen aufweisen oder die Ohren können verschmutzt sein. Alarm_1_OurCats_1.15

Symptome, wie Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Husten, Hautentzündungen oder eine schwere Atmung sollten ein Warnzeichen für jeden Katzenhalter darstellen, dass gesundheitlich etwas mit der Katze nicht in Ordnung ist. Die Ursachen dieser Symptome können vielfältig sein. Es kann sich um kleinere Infekte bis hin zu gravierenden organischen Problemen handeln.

Ebenso kann Mundgeruch oder vermehrtes Speicheln bei der Katze ein Indiz für Krankheiten darstellen. Zahnerkrankungen, Magenprobleme sowie Nieren- und Lebererkrankungen sollten ausgeschlossen werden.

Nierenerkrankungen oder auch Diabetes kommt bei der Katze sehr häufig vor und man sollte als Besitzer ein wachsames Auge haben, was das Trinkverhalten der Katze betrifft. Übermäßiges Trinken ist oft ein erstes äußerlich sichtbares Anzeichen für eine innere Störung und tritt meist auch in Verbindung mit häufigem Urinabsatz auf.

Schmatzen, Belecken des Mundes, vermehrtes Schlucken, Speicheln oder häufiges Kauen ohne Nahrung im Mund zu haben sind Anzeichen für Übelkeit und auch hier sollte die Ursache für die Übelkeit untersucht werden, um der Katze zu helfen.

Kann das Verhalten Aufschluss geben?

Das genaue Beobachten des Verhaltens einer Katze spielt eine wichtige Rolle beim Erkennen von Krankheiten. Wenn es einer Katze gesundheitlich schlecht geht, verändert sich auch das Wesen und das Verhalten der Katze.

Apathie und Lethargie

Kranke Katzen neigen dazu sich zurückzuziehen, wirken nicht mehr so interessiert am Menschen oder ihrer Umgebung und verstecken sie möglicherweise mehr als sonst. Sie scheinen bedrückt zu sein, starren vor sich hin, sind ungewöhnlich duldsam, unempfindlich gegenüber äußeren Einflüssen, haben ein gesteigertes Schlafbedürfnis und möchten nicht so gerne spielen. Dieses apathische und lethargische Verhalten kann ein Indiz für vielerlei Krankheiten sein, da jede Art einer Erkrankung mit Apathie einhergehen kann.
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Veränderungen im Fressverhalten

Ein weiteres Anzeichen, dass es einer Katze nicht gut geht, ist eine Veränderung im Fressverhalten. Neben vermindertem Appetit oder gar Appetitlosigkeit kann auch gesteigerter Appetit einen gesundheitlichen Hintergrund haben und sollte vom Katzenbesitzer nicht ignoriert werden.

Plötzliche Unsauberkeit

Auch bei störendem und auffälligem Verhalten der Katze, wie zum Beispiel bei Unsauberkeit sollten Katzenhalter hinsichtlich etwaiger Erkrankungen aufmerksam sein und zur Sicherheit dem Tierarzt einen Besuch abstatten.

Oft drücken Katzen ihr körperliches Unbehagen damit aus, dass sie plötzlich Urin oder Kot an ungebetenen Stellen im Haushalt absetzen und die Katzentoilette nicht (mehr) zuverlässig benutzen. Darum ist es wichtig die Katze bei Unsauberkeitsproblemen dem Tierarzt vorzustellen, denn häufig verursachen Harnwegs- und Blasenerkrankungen Schmerzen beim Absetzen des Urins. Diese Schmerzen führen wiederum dazu, dass die Katze die Katzentoilette nicht gerne betritt und ihr Geschäft lieber an einem anderen Ort verrichtet. Zusätzlich können folgende auffällige Begleitsymptome mit Erkrankungen der ableitenden Harnwege einhergehen: Ständiges Scharren in der Katzentoilette, ständiges Aufsuchen der Toilette mit wenigem oder häufigem Harnabsatz, Unruhe, ständiges Putzen des Genitalbereichs oder Lautäußerungen beim oder nach dem Toilettengang.

Unerwartete Aggressionen

Ein Alarmzeichen für den Besitzer sollten auch immer plötzlich unerwartete Aggressionen gegenüber dem Katzenhalter oder anderen Tieren im Haushalt darstellen. Auch wir Menschen sind, wenn wir uns gesundheitlich angeschlagen fühlen, oft gereizter und launischer. Möglicherweise hat die Katze auch Schmerzen und kann diese nicht anders zum Ausdruck bringen.

Kratzen oder Haarausfall

Auffallend häufiges Kratzen und (zusätzlicher) starker Haarausfall plagt eine Katze und schränkt sie in ihrem Wohlbefinden sehr ein. Juckreiz ist eine wirklich unangenehme Sache für unsere Samtpfoten und kann viele medizinische Hintergründe haben. Einerseits können Parasiten wie Flöhe, Milben, Läuse oder Haarlinge für den Juckreiz verantwortlich sein, aber auch Pilzinfektionen, Schmerzzustände oder Allergien können ursächlich sein.

Unruhe und Lautäußerungen

Kommt Ihnen Ihre sonst so entspannte Katze unruhiger vor als sonst, läuft sie ständig miauend durch die Wohnung oder hält sie nächtlich auf Trab, sollte auch ein Tierarztbesuch stattfinden. Schmerzen oder eine Erkrankung der Schilddrüse sollten ausgeschlossen werden. Handelt es sich um eine ältere unruhige Katze, sollte auch an Altersdemenz gedacht werden.

Hinter veränderten Lautäußerungen oder Lauten, die Ihnen ungewöhnlich und untypisch für Katzen vorkommen, können sich meist auch ernsthaftere Probleme verbergen.

Wie kann man ihr helfen?
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Wichtig ist, dass man als Katzenbesitzer die Anzeichen erkennt. Mit Ursachen, Diagnosen und folglich auch Behandlungen sollte man den Tierarzt betrauen, denn dieser weiß am besten, wie er der kranken Katze helfen kann.

Viele diagnostizierte Erkrankungen lassen sich mit medikamentöser Behandlung und/oder an die Krankheit angepasste Ernährungsumstellungen sehr gut in den Griff bekommen. Daneben tragen aber eine regelmäßige Kontrolle beim Tierarzt und vor allem ein stressfreies und ruhiges Umfeld erheblich zur Genesung der kranken Katze bei.

Stress für eine kranke Katze kann vermieden werden, indem man ihr im Tagesablauf keine unerwarteten Dinge zumutet, wie zum Beispiel häufige Besucher oder gar ein neuer tierischer Mitbewohner im Haushalt. Während der verständnisvollen Zuwendung ihrer vertrauten Menschen und sanftem Streicheln, falls die Katze überhaupt Lust dazu hat, sollte man auch nicht vergessen, ihr immer wieder Ruhepausen vom Alltagsgeschehen zu geben. Eine kranke Katze braucht Ruhe um zu gesunden und sollte an ihren Rückzugsorten auch nicht zu oft gestört werden. Achten Sie einfach auf die Stimmung der Katze und versuchen Sie ihr dadurch gerecht zu werden.

Sollte eine Katze krank werden, die in einem Mehrkatzenhaushalt lebt, kann es hilfreich sein, nach genaueren Beobachtungen abzuwägen, ob es Stress für die Katze bedeutet, wenn sie gemeinsam mit den anderen Katzen zusammenlebt oder ob sie der Katze für einige Stunden am Tag eine Auszeit von der Katzengruppe geben möchten. Leben mehrere Katzen zusammen kann es nämlich unter Umständen passieren, dass gesunde Katzen sich gegenüber der kranken Katze abneigend verhalten, was wiederum für Unbehagen in der gesamten Gruppe und schließlich für das betroffene erkrankte Tier sorgt. Nicht unerheblich ist auch das Erkundigen beim Tierarzt, ob es sich um eine ansteckende Krankheit für andere Tiere handelt.

Erkrankungen oder auch einfaches körperliches Missempfinden führen bei Katzen oft dazu, keinen Appetit zu haben. Wie wir jedoch auch von uns Menschen wissen, dass die Nahrungsaufnahme Heilungsprozesse beschleunigt, das Immunsystem stärkt bzw uns zu Kräften kommen lässt, ist es auch für erkrankte Katzen sehr wichtig, die Futteraufnahme nicht einzustellen.

Neben Schonkost und leicht bekömmlicher Nahrung, können Sie bei appetitlosen Katzen versuchen, das Futter anzuwärmen oder der Katze ihre Lieblingsleckereien über das Futter drüberzustreuen. Bei Katzen, deren Geruchssinn möglicherweise beeinträchtigt scheint, können Sie vor allem zu stark riechenden Futtersorten greifen, beispielsweise eine Nassfuttersorte mit Fisch. Sollte die Katze Probleme mit den Zähnen haben und ihr das Fressen deshalb schwer fallen, dann können Sie Nassfutter mit Wasser zu einem Brei verrühren, damit das Futter leicht weggeschleckt werden kann um allfällige schmerzhafte Bisse zu vermeiden.

Passiert es allerdings, dass die erkrankte Mieze seit längerer Zeit nicht mehr selbstständig Futter aufgenommen hat, muss sie dringendst zugefüttert werden. Hühner- oder Fleischbrühe, ohne Gewürze oder spezielle Nahrung und Pasten vom Tierarzt können mit Hilfe einer Einwegspritze ohne Nadel der Katze ins Mäulchen gegeben werden. Auch Wasser kann mit einer Einwegspritze langsam ins Maul geträufelt werden, um eine regelmäßige Flüssigkeitsaufnahme zu gewährleisten.
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Gerade bei Erbrechen und Durchfall sollte sehr auf den Flüssigkeitshaushalt Bedacht genommen werden, denn sonst kann es passieren, dass die Katze dehydriert (austrocknet)! Auch Katzen, die Blasenprobleme haben, sollten viel Flüssigkeit zu sich nehmen.

Zusätzlich sollten Vorkehrungen bezüglich den „Katzeneinrichtungsgegenständen“ getroffen werden, falls die Katze Gehbehinderungen oder Lähmungen aufweist. Die Katzentoilette sollte nicht zu hoch sein, sodass auch erkrankte Katzen leicht in die Toilette hineinsteigen und wieder hinaussteigen können und der Weg dorthin sollte leicht zu erreichen sein. Auch Kratzbäume und Klettermöglichkeiten sollten je nach Bedarf angepasst werden, um weiteren Verletzungen und Gefahren vorzubeugen.

Zum Abschluss sei erwähnt, dass es viele Erkrankungen gibt, die nach einer tierärztlicher Behandlung in wenigen Tagen wieder überstanden  sein können, aber natürlich gibt es auch Katzen, die über lange Zeit durch ernsthafte Krankheiten geschwächt sind. Hier sollte der Katzenbesitzer wirklich Wert darauf legen, sich über mögliche zukünftige Krankheitsverläufe zu informieren, damit er seinem Vierbeiner im Fall von Verschlechterungen oder zusätzlichen Symptomen schnell Hilfe vom Tierarzt zu kommen lassen kann, ihm obendrein auch einfühlsamer zur Seite stehen und die Katze auch zu Hause weiterhin bestens betreuen kann.